Cnn News No. 102, 03 May 2012 Page 8 R
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| AD Magazine Issue May 2012, Page 120 |
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Mosaic Hotel - Spring 2012, pages 40-43
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The magazine of the Saxon capital Brilliant moments of art and science |
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| Parnass 04/2011, pages 136-138 |
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new workshops, No. October 26 2011
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MUSEUM AKTUELL, Juli 2011 Nr. 182
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ELLE CITY Munich, 10/2011
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A & W SPECIAL, 5 / 2011
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Immer im Rahmen bleiben Gedanken über den Sinn von Bildeinfassungen „Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, Kunst und Rahmen adäquat zusammenzuführen.“
Auf seiner Website bringt Werner Murrer zum Ausdruck, um was es beim Planen und Bauen von Bilderrahmen zentral geht: Eine passende Liaison zwischen Bild und Umrandung zu verwirklichen.

Historisch gesehen entstand der Bilderrahmen als Einfassung bzw. Fixierung von Altar- und Kirchenbildern. Er entwickelte sich seit der Gotik aus Bildtafeln: „In der Mitte“, so [Werner Murrer] Werner Murrer, „wurde das Bildmotiv leicht vertieft, wodurch ein erhabener Rand entstand“, der aber noch keineswegs als eigenständiger Rahmen wirkte.
Ob aus Holz, Marmor oder Metall, wurden sie zunächst meist bemalt und vergoldet oder auch mit farbigen Verzierungen oder Einlegarbeiten versehen. Weiter verrät Wikipedia, dass sie erst seit dem Ende des 16. Jahrhunderts allgemein weiß oder naturfarben nur lasiert gehalten wurden. Ab dem 16. Jahrhundert diente der Bilderrahmen dekorativen Zwecken. Es entwickelten sich „eigenständige Stile je nach Epoche“, erklärt Murrer. Wie faszinierend die historischen Bildeinrahmungen aussehen und wirken und wie aufwändig sie hergestellt wurden, zeigte die Ausstellung „Rahmenkunst“, die Anfang 2010 in der Alten Pinakothek in München zu sehen war. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sichteten dafür etwa 4.000 Rahmen und Bilder aus dem eigenen Bestand, aus denen dann eine Auswahl von 92 Rahmen getroffen wurde. Der Bogen spannte sich vom Kapselrahmen des 16. Jahrhunderts bis zu den Rahmen des Klassizismus und Empire, vom Prunkrahmen bis zum Miniaturrahmen. Murrer, der in seiner Münchner Werkstatt auch für Museen und große Sammler arbeitet, schüttelt noch heute den Kopf, wenn er daran denkt, dass noch in den siebziger Jahren Originalrahmen von Van Gogh „bis auf einen“ weggeworfen wurden. Bis dahin wurden von vielen die Prunkrahmen entfernt und verheizt, eine Tendenz, die bereits im 19. Jahrhundert ihren Anfang nahm. Vielleicht ist es so, dass man heute durch schlichte Bildleisten und puristische Fertigrahmen durchaus auch den Mut verloren hat, dem Bild einen gestalteten oder gestaltenden Rahmen zu geben. So strich Ernst Ludwig Kirchner eigenhändig alle seine Bildrahmen mit Bronze – „wir wissen, welche Künstler welche rahmen verwendeten, haben dazu ein großes Archiv“, erzählt Murrer. In seiner Broschüre zum Thema wird der spanische Philosoph und Schriftsteller José Ortega y Gasset zitiert, der einmal sagte, dass „Bilder eingehegt in ihren Rahmen leben. Diese Verbindung von Rahmen und Bild ist nicht zufällig. Eines bedarf des anderen. Ein Bild ohne Rahmen sieht aus wie ein geplünderter, nackte Mensch“. Ganz so streng sieht das Rahmenprofi Murrer heute nicht mehr: Er berät Künstler an der Münchner Akademie und immer wieder kommen Sammler und Künstler mit Werken zu ihm, um nach dem „idealen Rahmen“ zu fragen. Gar nicht so selten ziehen die nach einem ausführlichen Gespräch mit der Erkenntnis ab, dass gar kein Rahmen passen würde.
Doch wozu rät er, was sollte man bei der Planung beachten? Ein wesentlicher Unterschied besteht vor allem im Material: Papierarbeiten benötigen unbedingt einen Glasschutz, wenn sie nicht aus konzeptuellen Gründen direkt auf der Wand angebracht werden. Hierbei sind ein säurefreies Museumspassepartout, das das Bild ganz zeigt, Distanzleisten und passende Nassklebebänder („noch besser ist ein selbst gekochter Weizenstärkekleister“) zu achten.
„Heutzutage“, betont Murrer, „wirkt es bei einem überlappenden Passepartout so, als ob ein Schaden zu verstecken ist“. Wesentlicher aber ist ein konservatorischer Hintergrund: Wo das Passepartout alles gleichmäßig frei lässt, entstehen keine Ränder auf dem Bild. Ölbilder hingegen verlangen aus eher pragmatischen Gründen nach einem Rahmen: Die sind dann besser stapelbar, transportabel und verziehen sich weniger mit einer gewissen Randfixierung. Ein L-Profil, also hinten am Bild befestigte Randleisten mit Abstand, sind hier seine Empfehlung.
Er kann sich aber auch für unkonventionelle Lösungen begeistern. So schwärmt er von der Anbringung von Zoe Leonards Arbeiten in der Pinakothek der Moderne, „die waren hinter Glasscheiben jeweils mit vier Nägeln an der Wand angebracht“. Wenn auch vom Konservatorischen her fragwürdig, verursachte dies natürlich relativ niedrige Kosten „und sah einfach wunderbar passend aus“. Auch für Siegmund Lorenz, der im Herrenhaus Libnow bei Anklam seine Rahmenmanufaktur betreibt, steht der individuelle Bedarf an erster Stelle. Natürlich würde er gern immer hochpreisige Materialien zur Anwendung bringen, doch das Material sollte in erster Linie dem Objekt entsprechen, das "Bindeglied sein zwischen Mysterium Kunstwerk und der Jetztweit", wie er es nennt.
Daher können je nachdem einfache Holzleisten zu 5 Euro den Meter mitunter besser angebracht sein als Vergolderleisten, die zwischen 300 und 400 Euro den Meter kosten können: "Einen guten Rahmen macht nicht nur der Preis aus."
Die Zuliefererindustrie schläft nicht, immer wieder wird Neues entwikkelt. Eine gute Bühne stellt die art fair europe dar, die im Oktober 2010 in Nürnberg stattfand. Hier zeigten knapp 100 Aussteller, was es Neues aus den Bereichen Rahmen, Leisten, Kunstdruck, Grafik, Passepartout, Bilderglas sowie Maschinen für die Einrahmung gibt.
In diesem Jahr findet die Messe vom 8. bis zum 10. Oktober statt. Vielleicht sollten Künstler wieder mehr Mut entwickeln, sich von historischen Vorbildern inspirieren lassen, wenn es um die richtige Umrandung ihrer Arbeiten geht, denn die Rahmen helfen, den gewünschten Fokus herzustellen, eine beabsichtigte Stimmung zu unterstreichen. In einem Selbstversuch kann man seine Arbeiten ja einmal mit unterschiedlichen Einfassungen versehen und die Wirkung prüfen. Künstler müssen dabei natürlich nicht gleich eine Fortbildung zum Geprüften Bildeinrahmer machen, wie ihn die Bildungsakademie Handwerkskammer Region Stuttgart ab Ende 2011 erneut anbietet. Werner Murrer ist hier der Vorsitzende des Prüfungsausschusses.
Die erfolgreich bestandene Prüfung berechtigt die Teilnehmer, den Titel „Geprüfte/-r Bildeinrahmer/-in“ zu tragen, der durch das Deutsche Patentamt geschützt ist. Zu den vermittelten Inhalten und Techniken gehören u.a.: Passepartout und Glas schneiden, Rahmenbau und Einrahmung, Werkstoffbearbeitung, Ausstellungs- und Kaschiertechnik, Umgang mit Ölgemälden, Papierrestaurierung, Vergoldung, Drucktechniken, Kunstgeschichte, Verkaufstechniken und Betriebswirtschaft, Recht und Umweltschutz. Katharina Knieß |
atelier 2/11
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Rahmen aus der Manufaktur Werner Murrer – für jedes Kunstwerk das passende Objekt

Ihre Aufgabe ist es ein Bild zu halten und zu schützen, ihm eine adäquate Einfassung zu geben. Erst sie setzen ein Kunstwerk oftmals richtig in Szene oder unterstreichen dezent die vom Künstler beabsichtigte Wirkung – die Rede ist von Rahmen, die manchmal selbst zum Kunstobjekt avancieren.
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Das Münchner Unternehmen Werner Murrer Rahmen – von Museen, Sammlern und Galeristen hoch geschätzt – hat sich darauf spezialisiert, mit Kunstverstand, handwerklichem Geschick und großer Präzision Kunstwerken aus allen Epochen den würdigen Rahmen zu geben. Das Sortiment reicht von historischen Rahmen, von denen hochwertige Kopien erstellt werden können, über moderne Rahmen für zeitgenössische Kunst bis hin zu konservatorisch ausgelegten Rahmungen für Exponate, die in Museen ausgestellt werden sollen. Man hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Einzigartigkeit des Kunstwerks zu erkennen und durch die individuelle Rahmung künstlerisch fortzuführen.
Das Unternehmen verfügt über einen großen Fundus von antiken Originalrahmen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert und besitzt eine besonders große Auswahl von Originalrahmen aus den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts, Grafikrahmen aus dem Biedermeier und Waschgoldrahmen, die vor allem über ihre Profilbezeichnung „Berliner Leiste“ bekannt sind. Fachlich kompetent fertigt man auf Wunsch Kopien, die den Originalen nicht nur optisch gleichen, sondern gemäß ihrer zeitgeschichtlichen Herstellungsweise mit handgehobelten Profilen, entsprechenden Hölzern, originalen Eckverbindungen und authentischen Fassungen nachgebaut werden. |
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Der Rahmen im Wandel der Zeit: Im Gegensatz zu den oft opulenten Rahmendesigns des Barock haben Künstler der Neuzeit an Rahmen eher den Anspruch, eine dezente Schutzfunktion zu bieten, ohne selbst optisch in den Vordergrund zu rücken und das eigentliche Kunstwerk in seiner Wirkung zu beeinträchtigen. Auch hier findet das fachlich kompetente Team subtile Lösungen – den Kundenwünschen sind keine Grenzen gesetzt.
Werner Murrers Erfolg basiert auf einem Firmenkonzept, das auf moderne Museums- und Galeriebedürfnisse abgestimmt ist – gepaart mit handwerklicher Perfektion und Kreativität. |
Börse am Sonntag, 11/11
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So schön ist Büttenpapier
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Was passiert, wenn man edles japanisches Büttenpapier mit einer Tintenempfangsschicht präpariert und bedruckt? Wir zeigen, wie schön es werden kann, wenn man von allem das Feinste nimmt. Hermann Will berichtet über ein ganz individuelles Projekt |
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Hommage an Frida Kahlo nannten wir dieses Bild von Stefan Milev in stiller Ehrfurcht. Den jungen Bildautor kennen FineArtPrinter·Leser aus FineArtPrinter 2/2010. Die aufwendige Rahmung, unter anderem auch mit entspiegeltem Mirogard Glas von Schott gibt dem Bild ausdrucksvolle Stärke |
Norbert Pritzsch liebt Feinstpapier. Sein Arbeitgeber heißt Römerturm. Das Unternehmen ist unter anderem auch Hahnemühle-Distributor, und auf der »Paperworld« in Frankfurt blättere ich fasziniert in den Mappen mit den Feinstpapiermustern, die Römerturm neben dem mir bekannten Sortiment von Hahnemühle vertreibt. »Unsere Leidenschaft ist der Umgang mit feinstem Papier«, lautet das Motto des Unternehmens, das derzeit das 125. Jahr seines Bestehens feiert. Der Firmenslogan hat sich vermutlich auch meiner bemächtigt, als ich mehr und mehr interessante Papiere in den voluminösen Mustermappen am Messestand entdecke. Vor allem die Japanpapiere bringen mich auf eine Idee. Da fällt mir FineArtPrinter-Autor Harry Staab ein, der mir vor Monaten schon für den Druck handbeschichtete Feinstpapiere geschickt hatte. Plötzlich wird mir klar, welch ein Potenzial die europäischen und japanischen Büttenpapierspezialitäten von Römerturm für Fine Art Printing bedeuten. Glücklicherweise gelingt es mir, Norbert Pritzsch von meiner Idee zu überzeugen, Papiere aus dem Sortiment von Römerturm beschichten zu lassen und darauf zu drucken. Wir wählen zwei japanische Büttenpapiere mit Reißkante aus: Kochi natur, Bogengröße 51 x 66 cm, ist warmweiß bei einer Grammatur von 108 g/m2, für japanische Verhältnisse schon beinahe ein Schwergewicht. Das wesentlich hellere Misumi H/M im Format von 58 x 78,5 cm bringt es nur auf ein Flächengewicht von 71 Gramm/m2. Harry Staab erhält jeweils drei Bögen, und das Experiment nimmt seinen Lauf.
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| 95 mm breit ist die aufwendig bearbeitete Leiste dieses Bilderrahmens. Der bedruckte Bogen Japanpapier ist konservatorisch korrekt nur an der Bildoberkante durch zwei Papierfälzel befestigt. Dadurch hängt das Papier frei im Rahmen und kann sich bei Feuchtigkeitsschwankungen dehnen oder schrumpfen. Der Abstand zwischen dem Druck und dem Mrogard·Glas beträgt etwa 8 mm |
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Werner Murrer mit dem Rahmen »Frieda Kahlo«, der nach handwerklichen Regeln in seiner Werkstatt gebaut wurde. Statt einer einfachen Gehrung sind die Leisten überplättet und sowohl auf Stoß als auch auf Gehrung montiert |
Nach einigen Telefonaten und Wochen später hat Elmar Lutz von der Kölner LUP AG Post von Harry Staab auf dem Tisch und Stress im Nacken. »Der Büttenrand fasert aus, da könnten Spuren vom Druckkopf sichtbar werden, und zudem kann das alles auch schiefgehen, es ist nicht genügend beschichtetes Papier zum Profilieren vorhanden«, berichtet mir Lutz mit sorgenvoller Stimme am Telefon. Tags darauf: »Wir haben mal einen Bogen auf dem Stylus Pro 9900 bedruckt, und es sieht gut aus.« Meine Antwort lautet: »Alles auf eine Karte und drucken, entweder Top oder Flop.« Daraufhin beruhigt mich Elmar Lutz: »Das wird schon, denn die Motive von Stefan Milev sind für die Papiere phantastisch.«
Einige Tage später bringt der Kurier die sorgfältig verpackten Drucke - ich bin begeistert. Tags darauf in der Werkstatt des Bildereinrahmers Werner Murrer: »Da haben wir einen Barockrahmen, der würde gut zu dem Motiv passen, ein Unikat zwar, doch das Ergebnis ist traumhaft.« Werner Murrer ist von dem Portrait so begeistert, dass er mir mehr als ein halbes Dutzend Unikate aus seiner wertvollen Sammlung historischer Rahmen um den Druck legt. »Schluss, das können wir uns nicht leisten«, höre ich mich energisch sagen.
Während wir für den Akt schnell einen feinen Ahornrahmen aus grau gebeiztem Holz gefunden haben, zieht sich die Ideenfindung für das Portrait. Stefan Milev als Fotograf hatte es leider auch nicht mehr geschafft, zum Signieren der Drucke nach München zu kommen, er hätte uns auch mit seinem Gefühl für das Bild helfen können. Schließlich jedoch ist die richtige Leiste gefunden: Es ist eine 95 Millimeter breite Leiste aus schwarz behandeltem Holz mit diskreter Teilvergoldung. Im Anschluss an einen Farbauftrag aus Casein und Pigmenten werden mehrere Schichten Schellack aufgebracht und wiederum abgezogen. Dadurch wird die natürliche Alterung nachempfunden, und es entsteht der Eindruck, die Leiste sei bereits Jahrhunderte alt. Die vergoldete Zierleiste um das Motiv wirkt ebenfalls als käme sie aus dem späten 17. Jahrhundert. Um diese Anmutung zu erreichen, wurde zunächst Kreidegrund aufgetragen, vergoldet und dann das Gold mit dem Skalpell teils wieder entfernt. Allein sieben Stunden dauerte die Behandlung der Rahmenleiste, um den zunächst neu gefertigten Leisten jene Patina zu verleihen. Nun allerdings wird mir eines klar: In Zeiten CNC-gesteuerter Werkzeugmaschinen und preisgünstiger Massenproduktion werden genau solche handwerklichen Produkte wie handgearbeitete Bilderrahmen eine geschätzte Kostbarkeit. Um sich als Künstler abzugrenzen, werden in den nächsten Jahren Wege beschritten, die sich noch stärker auf handwerkliche Fertigung und damit Individualisierung stützen. So arbeiten bereits einzelne Künstler daran, für spezielle Projekte Papiere zu schöpfen, zu beschichten, zu bedrucken und durch handwerklich perfekte Rahmung zu veredeln.
Hermann Will |
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Die klassische Ahornleiste mit 12 mm Ansichtsfläche und 35 mm Tiefe des grau gebeizten Rahmens belässt dem zweiten Motiv von Stefan Milev seine Leichtigkeit. Das 7o-Gramm-Japanpapier von Römerturm hängt ebenfalls frei an Papierfälzeln. Entlang der Reißkanten wellt sich das Papier unter dem Glas leicht, doch dies unterstreicht die Authentizität des Mediums. Das Gleiche gilt für die winzigen Druckkopfspuren am oberen Reißrand. Wir entscheiden uns dafür, dass diese prozessbedingt in dieser Dimension sichtbar sein dürfen
 Die Rahmen mit 35 mm Profiltiefe sind mit Nut und Feder klassisch verzapft (Detail). In der Werkstatt Murrer werden sie in gängigen Farben und Größen stets nur nach Maß gebaut |
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BR Live aus München Teil I und II
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Ein Rahmenprojekt für die Ausstellung "Der blaue Reiter" im Lenbachhaus München
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Rahmenkunst gestern und heute Werner Murrer Rahmen in der Sendung Schwaben & Altbayern vom 28. Februar 2010.

Werner Murrer beim Aussuchen von expressionistischen Rahmen für Bilder von Kirchner, Nolde, Heckel, Schmidt-Rottluff u.a. aus der Albertina in Wien
Anlässlich der Ausstellung Rahmenkunst in der Alten Pinakothek in München stellte der Bayerische Rundfunk die Rahmenmanufaktur von Werner Murrer vor.
Kunst von der sie umgebenden Wirklichkeit abzugrenzen, zu diesem Zweck hat der Mensch in den letzten 500 Jahren die unterschiedlichsten Formen von Rahmen entwickelt. "Eines waren sie von Anfang an: Spiegel ihrer Zeit und dekorativ – und eine Frage der Mode", so Werner Murrer in der Sendung Schwaben & Altbayern vom 28. Februar 2010.
Früher auswechselbares Beiwerk, erzielen Rahmen heute Spitzenpreise. Die Sendung demonstriert diese neue Wertschätzung anhand der Arbeit von Werner Murrer: Beschädigte historische Rahmen werden aufwendig restauriert, für Sonderausstellungen – wie etwa eine Ausstellung führender Expressionisten in der Albertina in Wien – kann auf einen reichen Fundus an Originalrahmen zurückgegriffen werden. So suchte die Alte Pinakothek jüngst „Florenz um 1500“. Bei Werner Murrer Rahmen wurde man fündig. Da das Format des Rahmens nicht zu dem Prunkstück der Ausstellung, Andrea del Sartos Heilige Familie, passte, wurde er originalgetreu nachgebaut. Denn ‚bei Murrer gibt es keine Standardlösungen. Jeder Rahmen wird individuell ausgewählt oder nach Originalen passend gefertigt’. |
Mit oder ohne Passepartout?
Der Gang durch Fotoausstellungen zeigt: Bilder werden größer. Der Formatzuwachs wirft die Frage auf, rahmt man Bilder mit oder ohne Passepartout? Und wenn man auf das Passepartout verzichtet, wie wird der Print konservatorisch korrekt im Rahmen montiert? Werner Murrer zeigte uns, wie Papierarbeiten auch ohne Passepartout gerahmt werden.
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Rahmen aus verschiedenen Epochen und verschiedenen Ländern hat Werner Murrer in seiner Sammlung in der Münchner Rahmenwerkstatt zusammengetragen. Wir fragten ihn, wie man großformatige Drucke rahmt. |
Moderne Großformatdrucker geben Bilder in Dimensionen aus, für die es keine Passepartouts mehr gibt. Passepartoutwerkstatt.de bietet kostengünstige Standardformate bis 60 x 80 cm mit dem Ausschnittmaß 49 x 69 cm. Keine Frage, ein Bild im Druckformat von 50 x 70 cm mit sichtbarem Ausschnitt von 49 x 69 cm hat bereits eine beeindruckende Präsentationsgröße. Dennoch, mit der Größe der Bilder will man sich unterscheiden, zeigen, dass man als Künstler nicht einer von jenen Leuten ist, die, dem Fotoclub entwachsen, die Menschheit nun mit eigenen Ausstellungen langweilen müssen. Die Möglichkeiten der Bildmontage durch Stitching, höhere Sensorauflösungen, Mittelformat-DSLRs und – nicht zu vergessen – die große Schar von Künstlern, die nach wie vor analoge Mittel- oder Großformatfilme belichten, sie alle vereint die Vision von größeren Bildformaten. Zudem zeigt man gerne, dass das verwendete Aufnahmeformat auch Prints ermöglicht, die größer sind als 70 x 50 cm. Gut, für diese Klientel gibt es am Markt auch Passepartouts bis zum Format 100 x 140 cm, doch wenn man Proportionen für den Rand berücksichtigt, dann ist mit einem Ausschnittmaß von 60 x 100 cm in den meisten Fällen die Passepartout-Präsentation ausgereizt. Wer es größer liebt, braucht andere Lösungen. Bevor Sie jetzt das Heft aus der Hand legen, weil Sie in diesen Dimensionen nicht an die Kosten denken wollen, lesen Sie die Tipps für die Präsentation in Passepartouts auf der Folgeseite.
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| Von diesem beschichteten Klebeband der Immenstädter Firma Klug Conservation reißt Werner Murrer etwa 5 cm lange Papierstreifen ab, die er dann sorgfältig zu Fälzeln faltet. An diesen wird der Print letztlich befestigt. |
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Der Papierstreifen wurde über den Kanten des Vergoldermessers geknickt und wird nun geplättet. Die nach oben abstehende Fläche wird im nächsten Schritt benässt und wie ein Scharnier oben auf der Rückseite des Prints angeklebt. |
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Dieser schmale Streifen des Fälzels klebt am Druck. Mit der Pinzette klappt Murrer das Fälzel zurück, um zu prüfen, ob Klebekante und Druckkante parallel laufen. Nur wenn dies gewährleistet ist, kann das Fälzel die Last des Drucks halten. |
Um Antwort auf unsere Frage zu erhalten: »Wie befestigt man einen Druck auf archivfestem Fine-Art-Papier, wenn man nicht im Passepartout präsentieren kann oder will?«, besuchten wir Werner Murrer in seiner Münchner Rahmenwerkstatt. Er genießt weit über München hinaus, besonders bei Museen, hohe Wertschätzung. Als kostengünstigste Rahmenvariante empfahl er für einen von mir erstellten Druck seine Standardpräsentationsrahmen, die handwerklich hochwertig gefertigt sind und speziell bei engem Budget einen Kompromiss zwischen konservatorischer Perfektion und Schönheit darstellen. Also produzierte ich nach Murrers Angaben einen Print mit den Maßen 57 x 77 cm, das Rahmenmaß beträgt 60 x 80 cm. Ich wollte ausprobieren, wie das Bild im Vollformat wirkt. Die Rückwand des Rahmens besteht aus zwei Millimeter starkem Passepartout-Karton, säurefrei. Auf diesem stabilen Karton wird der Print befestigt. Allerdings nicht mit vollflächiger Verklebung oder rundum laufenden Klebebändern. Das genau wäre der konservatorische Gau. Murrer zeigt mir ein Beispiel: Eine Grafik ist mit Fälzeln – ein Wort, das sich von Papierfalz ableitet – an allen vier Seiten verklebt, wölbt sich auf. Werner Murrer erläutert dazu: »Die Wölbung entsteht, weil sich die beiden Papiere unterschiedlich in der Ausdehnung verhalten und gegeneinander arbeiten. Die Laufrichtung des Papiers auf der Trägerseite ist anders als die Laufrichtung des Papiers, auf dem die Grafik gezeichnet wurde. Bei hoher Luftfeuchte dehnen sich die Papiere unterschiedlich, und schon verzieht sich alles. Deshalb befestigt man auch Fine-Art-Drucke fachmännisch korrekt nur an der Oberseite. Dann hat das Papier die Möglichkeit, sich auszudehnen und wieder zusammenzuziehen, so wie es die Luftfeuchte erfordert.« Mein Druck mit dem Titel »Vaters Bäume« wird mit zwei geradezu zierlich wirkenden Fälzeln an der Kopfseite bestückt. Dazu reißt Murrer ein etwa fünf Zentimeter langes Stück Klebeband ab und knickt es in der Längsrichtung über dem Vergoldermesser so, dass ein scharfkantiger Falz entsteht. Die schmale Seite dieses Falzes wird nun mit Wasser angefeuchtet, allerdings so, dass nur die Schmalseite nassklebend wird. Mit der Pinzette setzt Murrer das zierliche Fälzel an der Oberkante des Drucks auf der Rückseite parallel zur Kante auf das Papier, streicht es kurz glatt und beschwert die Klebestelle mit Sandsäckchen. Das sieht kinderleicht aus, und noch kann ich mir kaum vorstellen, dass an diesen wenigen Quadratmillimetern das gesamte Format von 60 x 80 cm Hahnemühle Photo Rag mit 308 g/m2 hängen soll. Ein zweites Fälzel wird gefalzt, befeuchtet, mit der Schmalseite auf dem Print festgeklebt und mit einer Gewichtsauflage zwecks Trocknung des Klebers 15 Minuten sich selbst überlassen. Dann kommt der nächste Schritt, die beiden Fälzel werden positionsgenau mit dem als Rückwand dienenden Passepartout-Karton auf ähnliche Weise verklebt. In der Bildleiste zeigen wir einzelne Schritte. Nach weiteren 15 Minuten werden Papierstreifen zwischen Fälzel und Rückwand eingelegt, um ein Eindringen der Kleberfeuchte in den Druck zu verhindern. Vorsichtig wird nun die Rückwand gehoben, jetzt hängt der Druck an der Rückwand, gehalten ausschließlich von den beiden Fälzeln. Bis auf eine winzige Wölbung im unteren Bereich liegt das Papier weitgehend plan.
 Ein prüfender Blick, das Bild hängt freischwebend an den Fälzeln und passt von den Innenmaßen perfekt in den Rahmen. Allerdings drucke ich beim nächsten Mal mit mehr Weißraum rundum, um das Motiv stärker zu betonen. |
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Mein Druck hat rundum 15 mm Abstand zum Rahmen, zwischen dem Druck und dem Frontglas sind etwa 5 mm Zwischenraum, die leichte Wölbung im unteren Bereich wird sich »aushängen«, meint Werner Murrer fachkundig. Wir bewundern einige Minuten lang den durch den Rahmen eindrucksvoll wirkenden Print, ehe ich mich verabschiede und mit festem Griff den Rahmen vom Hochformat in die bequemer zu transportierende Querlage schwenke: »Auweia, so nicht!«, ruft Werner Murrer entsetzt. »Denken Sie daran, dass Ihr Druck nur an den beiden Papierstreifen hängt. Wir haben alles getan, dass sich das Papier dehnen kann. Schwenks um 90 Grad können jedoch die Fälzel abreißen lassen.« Dies ist übrigens der Hauptgrund, weshalb es spezielle Kunstspediteure gibt, die wissen so was. Ich jedoch muss noch viel lernen. Hermann Will |
INTERVIEW
Nie am Rahmen sparen
Bilder präsentieren ist auch eine Frage des Geldes. Dennoch – daran zu knausern, wie die Bilder insgesamt auf den Betrachter wirken, hieße am falschen Ende sparen. Doch wo fange ich an? Wir fragten Werner Murrer, der für namhafte Museen wie die Albertina in Wien oder das Kirchner-Museum in Davos Rahmensysteme entwickelte.

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»Bei uns arbeiten Vergolder, Papierrestauratoren, Schreiner und Einrahmer im Team. Bei uns werden auch historische Rahmen restauriert.«
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| Werner Murrer hat Kunden in Europa und in den USA. Mit Arbeiten seiner Kunden wollte er aus Gründen der Diskretion nicht fotografiert werden, deshalb zeigt er uns eine Rahmenrückseite |
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Ist das Passepartout für die Präsentation ein Muss oder geht es auch einfacher?
MURRER: Papierarbeiten wie Grafiken und auch Fotos waren in den vergangenen Jahrhunderten vorwiegend durch ein Passepartout eingefasst und damit geschützt. Erst als man vor einigen Jahrzehnten feststellte, dass man im 20. Jahrhundert aufgrund holzhaltiger Passepartout-Kartons Säureschäden an Bildern und Grafiken verursachte und auch jedes Bild an den Bildflächen, an denen das Passepartout das Motiv überdeckte, einen Lichtrand bildete, ging man zu anderen Präsentationsformen über. Die Alternative zum Passepartout ist, das Blatt freischwebend im Rahmen zu präsentieren. Passepartouts sind nach wie vor eine ideale Bildpräsentation, und heute ist das Problem mit den holzhaltigen Passepartout-Kartons nur noch eine Frage des Bewusstseins. Wer einen säurefreien Museumskarton für eine wertvolle Arbeit benötigt, bekommt diesen auch. Vielen Verbrauchern fehlt leider das erforderliche Fachwissen. Bedingt durch die Dimensionszuwächse im Großbilddruck wegen Druckerbreiten von etwa 160 cm sind andere Lösungen als die Einfassung durch Passepartouts gefragt. Eine freischwebende Präsentation des Drucks unter Glas bietet der Arbeit Schutz und vermittelt Wertigkeit.
Das klingt nach Zaubertrick – wie kann man sich eine freischwebende Fotografie vorstellen?
MURRER: Nehmen wir an, Sie kleben einen Fine-Art-Print von der Rückseite so auf Ihren Passepartout-Karton, dass alle vier Seiten des Blattes fixiert sind. Wenn Sie Pech haben, passiert Folgendes: Das Papier arbeitet, reißt sich an einer Klebestelle los und wellt sich. Die Ausdehnung mag bei A3 noch nicht die entscheidende Dimension erreichen, doch wir haben hin und wieder Großformate mit 250 cm Seitenlänge. Wenn die Luftfeuchte sich ändert, beispielsweise wenn es trocken wird, ist das Papier innerhalb eines Tages oftmals einige Millimeter kürzer. Umgekehrt, wenn das Wetter warmfeucht ist, dehnt sich das Material wieder auf Höchstlänge aus. Deshalb befestigen wir Papierarbeiten an der Oberkante lediglich mit Papierstreifen, so genannten Fälzeln, die das Blatt zwar fixieren, die jedoch auf drei Seiten Dimensionsänderungen des Papiers nicht blockieren. Das Papier ändert seine Länge am stärksten in der Laufrichtung, das ist die Richtung, in der die Fasern des Papiers ausgerichtet sind. Wenn man dies berücksichtigt, kommt es zwar auch bei den freischwebend oder hängend montierten Blättern zu leichten Wellungen, doch Papier lebt immer. Wer also bei Drucken dafür sorgt, dass das Motiv auf dem Blatt so angeordnet ist, als wäre der Weißraum ein Passepartout, kann ein solchermaßen gestaltetes Blatt direkt in einen Rahmen montieren. Das erfordert es selbstverständlich, gewisse optische Gesetze einzuhalten, doch das ist beim Druck des Motivs sicher das kleinste Problem. Unsere Werkstatt bietet beispielsweise eine preiswerte Serie von handwerklich bei uns gefertigten Rahmen, die von Künstlern häufig für solche Zwecke genutzt werden.
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Die Sammlerfalle
… Was bleibt dann als Letztes, um mindestens in Ansätzen bei der Kunst kreativ mitzuwirken: das Rahmen und Hängen der Bilder. Die größte kleine Freude, die ich mir vorstellen kann.
Wann immer ich eine neue Arbeit gekauft habe, lasse ich alles stehen und liegen, fahre aufgeregt wie zum Date mit einer neuen Eroberung, nur dass bei mir das Date mit Werner Murrer – dem Meister aller Rahmen – stattfindet.
Und: Rahmen sei einfach, lautet die andere Behauptung. Andere mögen begabter sein – für mich ist die Auswahl eine immer neue Herausforderung. Größe, Farbe und Ausschnitt des Passepartouts, Stärke, Holz und Farbe der Leiste, und das alles abgestimmt auf eine Arbeit, deren Sprache nicht gestört werden darf.
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Und: Rahmen sei einfach, lautet die andere Behauptung. Andere mögen begabter sein – für mich ist die Auswahl eine immer neue Herausforderung. Größe, Farbe und Ausschnitt des Passepartouts, Stärke, Holz und Farbe der Leiste, und das alles abgestimmt auf eine Arbeit, deren Sprache nicht gestört werden darf.
Fehler habe ich unendlich viele gemacht, und wenn man von der Anzahl der von mir bestellten Rahmen auf die Größe der Sammlung zurückschließen dürfte, wäre sie fast doppelt so groß wie in Wirklichkeit.
Anfangs waren es noch die einfachen Fehler: die geschmäcklerische Leiste, der Versuch, mit dem Rahmen das Bild weiterzumalen (»Ach, es wäre doch schön, wenn Sie mit der Rahmenfarbe dieses wunderschöne Blau des Hintergrunds aufgreifen würden«), der Versuch, durch Gold- oder Silberleiste den Wert einer Arbeit mit einem Ausrufungszeichen zu versehen.
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Seite 129 ff aus Wolfgang Felten, Die Sammlerfalle, Verlag Buch&media, München 2009
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| Erschienen in Münchner Merkur Nr. 241, 20.10.2009 |
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Einer, der aus dem Rahmen fällt
Werner Murrer mißtraut allen maschinell gefertigten Leisten. In seinem Atelier in München rettet er uralte Handwerksünste vor dem Aussterben.
Der Autodidakt hat gut lachen. An einem ganz normalen Donnerstag nachmittag haben gleich drei Galeristen Werner Murrers Rahmenwerkstatt aufgesucht. Der erste holt rasch die letzten fertig gerahmten Zeichnungen für eine Vernissage am Abend ab. Der zweite rollt Papierarbeiten einer New Yorker Künstlerin aus - frisch aus ihrem Atelier. Der dritte bittet um Rat, wie ein alter kostbarer Seidenstoff zu konservieren wäre. Zehn Jahre ist es her, da fahndete Werner Murrer als Galerist nach einfachen Bilderrahmen von erst klassiger Qualität. Unzufrieden mit der angebotenen vorfabrizierten Massenware, begann er, eigene schlichte Naturholzleisten zu zimmern.
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Behutsam legt Murrer das empfindliche Stück Seide auf die filzbespannte Tischplatte. Ob Picasso-Gemälde oder Kritzelei von Kinderhand: Er würde nicht anders damit umgehen. Alle Aufträge gleichermaßen vorsichtig und aufmerksam zu behandeln hat der Achtunddreißigjährige auch seinen zehn Mitarbeitern eingetrichtert.
Seit Murrer sein Herz an ein kleines Juwel mit fein geschnitzten Eckrosetten verlor, sammelt er historische Rahmen. Ineinander und nebeneinander gehängt, zieren die Prunkstücke (das füheste ist aus dem 16. Jahrhundert) eine riesige Wand gegenüber der Eingangstür. Bis auf den Grundstock dieser Kollektion sind alle verkäuflich, auch der Italiener mit dem Tintoretto-Etikett. Solch ein Prachtexemplar kann sich der Kunde sogar nachbilden lassen, was bis zu 10000 Mark kostet. Für die Reproduktion sind Arnulf Appel und Brian Auspitz zuständig. Nachdem Bildhauer Appel selbst das kniffligste Profil oder Ornament geschnitzt hat, verleiht der Vergoldermeister dieser Replik die richtige Patina. Seine Mixturen für die Veredelung der Oberflächen mit Kreidegrund, Schellack und Blattgold komponiert Auspitz nach geheimen Rezepten, notiert auf abgegriffenen, vergilbten Karteikarten. Seit zweihundert Jahren hat sich an den Verfahren nichts geändert. Wenn Brian Auspitz einen Rahmen über Kies schleift oder mit Ziegelsteinen traktiert, will er nur jene Unregelmäßigkeiten erhalten, die ein handgemachtes Exemplar von einem industriell gefertigten unterscheidet. Palmette, Eierstab, Akanthusranke heißen drei der unzähligen, häufig auf antiken Dekors beruhenden Ornamente, die Appel unermüdlich studiert und kopiert.
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Ob er aus dem strengen Formenkanon nicht einmal ausbrechen möchte, um einen persönlichen Stil zu entwickeln? "Ich bin eigentlich noch nicht soweit", winkt er bescheiden ab, "man muß die Vielfalt erst verinnerlichen - im Kopf und dann im Herzen." |
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Geht es darum, die passende Leiste zu empfehlen, hat Werner Murrer kein Patenrezept. "Der Kunst nähere ich mich inhaltlich und lasse ästhetische Gesichtspunkte außer acht." Aus Künstlergesprächen weiß er, wann Rupprecht Geiger Aluminium bevorzugt und ein Gerhard Richter ohne Rahmen auskommt. Und aus der Literatur erfuhr er, daß die Impressionisten über schlecht erhaltene Barockmodelle einfach helle Farbe strichen und gerade den Verfallzustand schön fanden. Erleichtert registriert Murrer, wie sich die Rahmenkultur von ihrem absoluten Imagetief in den siebziger Jahren, als Pop-Plakate direkt an die Wand gepinnt wurden, allmählich erholt - und ihre Hauptfunktion wieder ins Blickfeld rückt: Kunst zu konservieren. "Schon Montagefehler können verheerenden Schaden anrichten", mahnt er. Wird beispielsweise ein Aquarell gespannt, entstehen Risse. Überlappt das Passepartout eine Graphik, greift sein Säuregehalt das Papier an. "Oft müssen wir die Bilder unserer Kunden erst zum Restaurator schicken."
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© Fotos:Armin Brosch
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Murrers penibler Umgang mit Blättern hat sich bis nach Wien herumgesprochen. Die Albertina, eine der weltweit bedeutendsten Graphiksammlungen, erteilte ihm jetzt den Auftrag für ihre gesamten Wechselrahmen. © ALEXANDRA GONZALEZ AD |
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Die Einrahmungswerkstatt von Werner Murrer in München
Perfektion ist sein Handwerk
Die Geschichte dieses Unternehmens ist eine Erfolgsstory, die im Telegrammstil ganz einfach klingt: Ein Galerist, der sich seine Rahmen selber baute, wird zum "Hoflieferanten" der Münchner Museen. Zufall oder gar Beziehungen? Weder noch. Werner Murrers Erfolg basiert auf einem Firmenkonzept, das auf moderne Museums- und Galeriebedürfnisse abgestimmt ist - gepaart mit handwerklicher Perfektion und Kreativität.

Als im Frühjahr die Gemälde der Sammlung Brandhorst für die Ausstellung "Food for the Mind" nach München kamen, hatte die Staatsgalerie Moderne Kunst ein Problem. Drei der Warhol-Gemälde hatten keinen Rahmen. Im Haus an der Prinzregentenstraße blieb man ruhig. Innerhalb einiger Tage waren die Rahmen für die mehr als 2 x 3 Meter großen Gemälde mit den immerhin sechs bis sieben Zentimeter tiefen Keilrahmen fertig. Kirschbaum natur mit amerikanischen Schattenfugen. Für solche Fälle ist Werner Murrer gerüstet und bekannt.
Wo die meisten Einrahmer lediglich ein Repertoire an Industrieleisten vorweisen können, bietet Murrer die Spezialanfertigung und die passgerechte Lösung. Vom extrastabilen Keilrahmen, etwa für ein überdimensionales Gemälde von Rupprecht Geiger für die Ausstattung des Berliner Reichstages, bis hin zum verschweißten, schnittstellenlosen Metallrahmen, der wie aus einem Guss aussieht. "Das Rahmen von zeitgenössischer Kunst ist mein spezielles Aushängeschild", meint der Herr der Leisten, der vor fast 20 Jahren selbst eine kleine Galeriebetrieb und Rahmungssorgen aus eigener Erfahrung kennt. Heute kommen Ausstellungsmacher, Galeristen und Sammler wie der Verlagschef Lothar Schirmer ausschließlich wegen seiner Rahmen. Denn sie alle wissen: Murrer baut Rahmen von einer handwerklichen Präzision, die auch die Strapazen des heutigen Ausststellungsbetriebes überstehen. Sie alle schätzen - neben absolut fachgerechtem Umgang mit Kunst - sein ausgeprägtes Gespür für die Beziehung von Kunst und Rahmung. Keine modischen Mätzchen, sondern gediegene Modernität.
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Ohne Teamgeist ginge es nicht: Die Werkstattmannschafft hat schon die ungewöhnlichsten Aufgaben gelöst - dazu muss auch Zeit für Gespräche sein |
Bevorzugte Oberfläche ist naturbelassenes Holz, der meist verwendete Rahmen wird aus einer flachen, schmalen, jedoch relativ tiefen Leiste gefertigt, die an der Wand fast wie ein kleiner Kasten aussieht. Ein Typus, der vor gut zehn Jahren in den USA aufkam und der mit dem Purismus des heutigen Einrichtungsstils, mit der kühlen Sachlichkeit moderner Galerien und eben auch mit der zeitgenössischen Kunst bestens korrespondiert. Doch wie beim modernen Design, so ist es auch beim Rahmen - Schlichtheit wirkt nur, wenn ihm nichts Billiges anhaftet. Und wer Murrer-Rahmen in die Hand nimmt, merkt den Unterschied. Die Oberfläche samten glatt, die Schenkel nicht verzahnt, sondern mit feinen Federn verbunden. Auch die wenigen farbigen Leisten sehen hier anders aus. Zum Beispiel eine chinarote, leicht baguettförrmige Leiste, die sich besonders für asiatische Grafik eignet. Der rote Lack wirkt wie eine polierte Koralle, hergestellt aus teuren Bergzinnober-Pigmenten und Schellack.
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Die Werkstatt in der Münchner Zennerstrasse: An Platz und Geräten mangelt es hier nicht. Für verschiedene Arbeiten sind jeweils separate Räume eingerichtet. |
Werner Murrers Erfolgsrezept heißt auch alles zu ermöglichen. Galeristen aus den USA, deren Künstler in München ausstellen, faxen Rahmungsvorgaben, Rupprecht Geiger schickt Zeichnungen für das Profil der Rahmen um seine Gemälde - Murrer führt es exakt aus. Mittlerweile existiert ein ganzer Stapel solcher Zeichnungen. "Ich kann das nur, weil ich alle Gewerke, die bei Einrahmungen eventuell gebraucht werden, unter einem Dach habe. Mein Maschinenpark gleicht dem einer kleinen Schreinerei, beschäftigt habe ich hier Schreiner, Vergolder, Buchbinder, Passepartoutschneider, Holzbildhauer, und auch eine Kunsthistorikerin. Spezialisierung und Diversifizierung - das sind die beiden Pole meiner Werkstatt. Nur so kann ich jeden Kundenwunsch in entsprechend hoher Qualität ausführen." Und wieder fällt Werner Murrer eine Geschichte ein. Das Haus der Kunst, München, baute vor Jahren eine Francis-Bacon-Ausstellung auf, wieder mal war ein Bild ohne Rahmen. Man wusste nicht, welcher Rahmen zuvor um das Bild war, man wusste nur, dass Bacon seine Bilder nur mit einem ganz bestimmten Rahmen aus seinem Atelier rahmen ließ. Das Kunsthaus Zürich war in Besitz eines solchen Typus, schickte eine Zeichnung vom Profil samt genauer Beschreibung der vergoldeten Oberfläche. Die so genannte Bacon-Leiste findet sich noch heute unter Murrers Mustern historischer bzw. spezieller Leisten, die in dieser Werkstatt auf Wunsch selbstverständlich gefertigt werden. Qualitätsstandard auch hierbei: die Perfektion der Ausführung. "Es geht nicht nur um das Fertigen des richtigen Profils für ein Gemälde aus dem 18. Jahrhundert, es geht auch um die entsprechende Oberfläche. Eine Vergoldung schlechthin ist mir nicht genug. Die Oberfläche braucht Patina. Das bekommt man in keiner Vergolderausbildung so beigebracht, das kann man nur durch Experimentieren lernen." Murrers Vergolder scheinen eine Menge experimentiert zu haben. Werner Murrers Gespür für Rahmen kommt ebenfalls nicht von ungefähr. Alles, was in den vergangenen 20 Jahren an Fachliteratur - auch außerhalb Deutschlands - erschienen ist, findet sich bei ihm Bücherregal. Er weiß Bescheid über historische Rahmen und Künstlerrahmen, er kennt sich aus in den verschiedenen Dekoren und Materialien. "Man kann ein Gespür für Rahmen eigentlich nur durch ständige Beschäftigung mit der Materie bekommen. In jeder Ausstellung schauen, sehen, gucken und Malerei und Rahmenstile in Beziehungen setzen. Dass Werner Murrer die Regeln dieser Kunst beherrscht, schätzen auch historische Museen. Für eine Ausstellung des Münchner Stadtmuseums mit Münchner Stadtansichten aus dem 16. Und 17. Jahrhundert fertigte er unlängst eine Leiste, die einem Profil dieser Zeit entspricht. Und auch die Albertina in Wien bittet momentan wieder um Rat für ein groß angelegtes Dürer-Projekt, verblüffte er dieses Museum doch vor ein paar Jahren mit einer auf die museums- und ausstellungstechnischen Anforderungen genau getrimmten Wechselrahmen-Lösung, dem patentierten Albertina-Rahmen®.
Sabine Spindler Fotos: Peter Neusser
Der Albertina-Rahmen® von Werner Murrer
Ungewöhnliche Anforderungen stellte die Albertina in Wien an einen neuen Wechselrahmentypus und wandte sich mit dem Anliegen an Werner Murrer. Gesucht war ein System, - bei dem die Grafik auch während des Rahmungsvorgang ständig mit der Vorderseite nach oben liegt, - bei dem das Glas ohne Aufwand auszuwechseln ist, - bei dem ausreichend Distanz zwischen Glas und Grafik gewährleistet wird, - das ein leicht zu handhabendes Hänge- und Verschluss-System aufweisen sollte.
Murrers Ehrgeiz war angestachelt. Seine Lösung: Ein dreiteiliges System bestehend aus - dem Trägerrahmen für Objekt und Passepartout, - einem darauf zu legenden Rahmen für das Glas, - einem drübergestülpten Sichtrahmen, der seitlich mit den anderen Teilen verschraubt wird und sie dadurch trägt. Diese Idee ließ sich Werner Murrer als Albertina-Rahmen® patentieren. Und weil die Nachfrage so groß ist - inzwischen klopfen Kunsthäuser wie die Stuttgarter Staatsgalerie, die Hamburger Kunsthalle sowie Museen aus Berlin, Zürich und Basel an die Tür - wird mittlerweile eine vereinfachte Version des Murrerschen Patentrahmens gefertigt.
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Querschnitt durch den dreiteiligen Grafik-Wechselrahmen von Werner Murrer, der unter dem Titel Albertina-Rahmen® vom Europäischen Patentamt patentiert und damit rechtlich vor Nachbau geschützt ist. |
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