rahmenkunst

Als eine der führenden Werkstätten in der Rahmung von Expressionisten haben wir auf diesem Gebiet einen neuen Weg bestritten. Dieser wurde wissenschaftlich von der Rahmenexpertin Dr. Eva Mendgen begleitet. Als Ergebnis dieser Zusammenarbeit freuen wir uns, diese Publikation unseren Kunden und allen an Rahmungsfragen Interessierten vorlegen zu können.

Rahmenkunst –
am Beispiel expressionistischer Meisterwerke

The Art of Framing:
An Example of Expressionist Masterpieces

herausgegeben von
Werner Murrer, München
mit einem Text von
Dr. Eva Mendgen, Saarbrücken
36 Farbseiten, Broschüre
ISBN 3-86628-090-4
12,80 Euro
erhältlich bei
WERNER MURRER RAHMEN
und in jeder guten Buchhandlung
published by
Werner Murrer, München
with an essay from
Dr. Eva Mendgen, Saarbrücken
36 colour pages, broschur
ISBN 3-86628-090-4
12,80 Euro
available at
WERNER MURRER RAHMEN
and in every exclusive bookstore

Vorwort

Neurahmungen hochkarätiger Gemäldesammlungen sind selten. Die hier in Ausschnitten präsentierte Rahmung einer bedeutenden Privatsammlung expressionistischer Meisterwerke stellte uns vor eine besondere Herausforderung. Originale, auf Entwürfe der Künstler zurückgehende Rahmen waren nicht erhalten.
Statt der Anfertigung hochwertiger Kopien in unserer Werkstatt fiel die Entscheidung auf kostbare, antike Rahmen aus unserem großen Fundus. Die Ergebnisse wurden fotografisch festgehalten, Bild und Rahmen gemeinsam reproduziert. Dr. Eva Mendgen, die sich als Kunsthistorikerin mit ihren Forschungsarbeiten zur Geschichte des gerahmten Bildes international einen Namen gemacht hat, kommentierte die Ergebnisse unserer Arbeit.
Das Buch will die gelungene Kommunikation von Sammler und Rahmenmacher dokumentieren, aber auch, der Bedeutung des Themas entsprechend, die Wechselwirkung von Bild und Rahmen gleichsam als Gesamtkunstwerk vor Augen führen.
Mein Dank gilt allen am Projekt Beteiligten, insbesondere aber meinen Mitarbeitern, ohne die Rahmungen in der vorgestellten hohen Qualität nicht möglich wären.
Werner Murrer
WERNER MURRER RAHMEN

Preface

The possibility to reframe first-class collections of paintings is a rare opportunity. Therefore the framing of an important private collection of expressionist masterpieces, shown here in samples, presented us with a particular challenge: the original frames, designed by the artists, were not available.
We decided to use valuable antique Frames from our extensive supply, rather than producing high-quality copies. The results were documented photographically, reproducing frame and painting together. Dr. Eva Mendgen, an internationally renowned art historian and expert on the history of the framed painting, describes the results of our work.
The book's intention is to document the successful communication between collector and frame maker and, given the importance of the topic, demonstrate the interplay of painting and frame as a kind of Gesamtkunstwerk.
I would like to thank all involved in the project, particularly my coworkers, without whose help frames of the desired high quality would not have been possible.
Werner Murrer
WERNER MURRER RAHMEN

augustmacke

August Macke, Vor dem Hutladen, 1913,
Plattenrahmen, Spanien, Mitte 17. Jahrhundert,
Pinienholz, innen mit stilisiert geschnitzter
Blattlängsverzierung, außen und innen versilbert,
Fläche schwarz,
Falzmaß 63 x 46 cm, 9 cm breit
August Macke, Vor dem Hutladen, 1913,
Plattenrahmen, Spain, Mitte 17. Jahrhundert,
pine wood, inside stylized, carved leaf
ornamentation, inside and outside silvered,
surface black,
sight size 63 x 46 cm, 9 cm wide

Dr. Eva Mendgen:
Die Kunst zu rahmen – Positionen zwischen Historismus und Expressionismus.

Ideale
Die Frage nach dem »richtigen« Bilderrahmen ist spätestens seit Wilhelm von Bode eine der schwierigsten im Museums- und Sammleralltag. Bode war der erste Kunsthistoriker, der den Rahmen »aus allgemeinen kunsthistorischen und kunsttechnischen Rücksichten« als wesentliches Komplement eines Bildes interpretierte. 1898 veröffentlichte er die erste Geschichte des Bilderrahmens im »Pan«. Hier befasste er sich vor allem mit der Vielfalt seiner Erscheinungsformen und Funktionen seit den Anfängen der europäischen Tafelmalerei. Der legendäre Museumsmann entwickelte sich im Dienste der Alten Meister allerdings nicht nur zum Rahmenhistoriker, sondern auch zum passionierten Rahmensammler. Die Bilder der ihm 1890 anvertrauten Berliner Gemäldegalerie waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter dem Architekten Karl Friedrich Schinkel einheitlich klassizistisch gerahmt worden. Bode empfand dies als Uniformierung, und es gelang ihm im Laufe der Jahre, einen Teil der Sammlung mit originalen Rahmen zu versehen. Ein Kunststück für sich: Denn unversehrte, schöne alte Rahmen waren schon damals selten.
Gute Kopien akzeptierte Bode ebenfalls, aber auch ihre Fertigung war alles andere als einfach. Wesentliche Voraussetzungen dafür waren das Vorhandensein eines Originals und ein kundiger Rahmenmacher, der noch mit den alten handwerklichen Traditionen vertraut war. Laut Bode hatten »hohe Kunst und Handwerk« über die Jahrhunderte hinweg einander bei der Einrahmung »in die Hand gearbeitet«. Das war mit dem 19. Jahrhundert und dem Zeitalter der Industrialisierung anders geworden: Die Künstler überließen das Einrahmen mehr und mehr, so Bode, »als eine gleichgültige oder gar verächtliche Sache den Handwerkern«. Zu den offiziellen Kunstausstellungen waren nur gold gerahmte Bilder zugelassen, eine Regel, die von Paris bis London, von Moskau bis New York Gültigkeit hatte. War der Bilderrahmen zum Ordnungsinstrument für Massenausstellungen degradiert worden, so das Gros der Maler und Rahmenmacher zu Zulieferern einer expandierenden »Kunstindustrie«. Das Österreichische Museum für Kunst und Industrie in Wien stellte angesichts dieser fatalen Entwicklung die vielleicht erste Mustersammlung alter Rahmen zusammen – hier das Beispiel eines gerahmten Bildes –, die sein Direktor Jacob von Falke als Prachtband 1892 publizierte. Sie sollte »Schnitzern und Rahmenfabrikanten« als Qualitätsmaßstab dienen und »Mode und Dilettantismus« entgegenwirken. Die Arbeit der handverlesenen, einem exklusiven handwerklichen Ideal dienenden Rahmenmacher definiert sich heute übrigens vor allem auch über Vorlagensammlungen historischer Modelle. ...
(Auszug)

Dr. Eva Mendgen:
The Art of Framing – Positions between Historicism and Expressionism

Ideals
The question of the "right" frame is, at least since the time of Wilhelm von Bode, one of the most difficult in the daily business of museums and collections. Bode was the first art historian to interpret the frame, "for general art historical and technical reasons" ["aus allgemeinen kunsthistorischen und kunsttechnischen Rücksichten"], as an essential complement to the image. In 1898, he published the first history of the picture frame in the journal "Pan". He focused on the frame's variety of manifestations and functions since the beginnings of European panel painting. The legendary museum curator became not just a historian of frames in the service of the Old Masters, but a passionate collector. The paintings of the Berliner Gemäldegalerie, entrusted to him in 1890, had been framed in the classical style in the early 19th century, under the aegis of the architect Karl Friedrich Schinkel. Bode saw this as a homogenization, and over the years he succeeded in furnishing parts of the collection with original frames. This was an achievement in itself, because beautiful old frames were rare even then.
Bode accepted good copies as well, but the production of those was also anything but easy. Originals were needed, and expert frame makers, familiar with the traditional techniques. According to Bode, in framing, "high art and handcraft" [»hohe Kunst und Handwerk«] had worked hand in hand for centuries. With the 19th century and the age of industrialization, everything had changed: the artists left framing increasingly, said Bode, "as an insignificant or even base thing to the artisans" ["als eine gleichgültige oder gar verächtliche Sache den Handwerkern"]. Only gold-framed pictures were admitted to official exhibitions, a rule in force from Paris to London, from Moscow to New York. The picture frame had been degraded to a mere ordering tool for mass exhibitions, and the majority of painters and frame makers to suppliers of an expanding "art industry". In the face of this fatal trend the Austrian Museum for Art and Industry in Vienna assembled what was probably the first collection of samples of old frames – here the example of a framed painting – published, in 1892, by its director Jacob von Falke in a deluxe edition. It was supposed to set the benchmark for "carvers and frame makers" ["Schnitzer und Rahmenfabrikanten"], counteracting "fashion and dilettantism" ["Mode und Dilettantismus«]. It is worth mentioning that today the work of handpicked frame makers who pursue exclusive ideals of craftsmanship is defined by collections of historical model-samples. ...
(selection / for the entire english translation contact info[at]murrer-rahmen.de)