Gedanken über den Sinn von Bildeinfassungen „Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, Kunst und Rahmen adäquat zusammenzuführen.“
Auf seiner Website bringt Werner Murrer zum Ausdruck, um was es beim Planen und Bauen von Bilderrahmen zentral geht: Eine passende Liaison zwischen Bild und Umrandung zu verwirklichen.

Historisch gesehen entstand der Bilderrahmen als Einfassung bzw. Fixierung von Altar- und Kirchenbildern. Er entwickelte sich seit der Gotik aus Bildtafeln: „In der Mitte“, so [Werner Murrer] Werner Murrer, „wurde das Bildmotiv leicht vertieft, wodurch ein erhabener Rand entstand“, der aber noch keineswegs als eigenständiger Rahmen wirkte.
Ob aus Holz, Marmor oder Metall, wurden sie zunächst meist bemalt und vergoldet oder auch mit farbigen Verzierungen oder Einlegarbeiten versehen. Weiter verrät Wikipedia, dass sie erst seit dem Ende des 16. Jahrhunderts allgemein weiß oder naturfarben nur lasiert gehalten wurden. Ab dem 16. Jahrhundert diente der Bilderrahmen dekorativen Zwecken. Es entwickelten sich „eigenständige Stile je nach Epoche“, erklärt Murrer. Wie faszinierend die historischen Bildeinrahmungen aussehen und wirken und wie aufwändig sie hergestellt wurden, zeigte die Ausstellung „Rahmenkunst“, die Anfang 2010 in der Alten Pinakothek in München zu sehen war. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sichteten dafür etwa 4.000 Rahmen und Bilder aus dem eigenen Bestand, aus denen dann eine Auswahl von 92 Rahmen getroffen wurde. Der Bogen spannte sich vom Kapselrahmen des 16. Jahrhunderts bis zu den Rahmen des Klassizismus und Empire, vom Prunkrahmen bis zum Miniaturrahmen. Murrer, der in seiner Münchner Werkstatt auch für Museen und große Sammler arbeitet, schüttelt noch heute den Kopf, wenn er daran denkt, dass noch in den siebziger Jahren Originalrahmen von Van Gogh „bis auf einen“ weggeworfen wurden. Bis dahin wurden von vielen die Prunkrahmen entfernt und verheizt, eine Tendenz, die bereits im 19. Jahrhundert ihren Anfang nahm. Vielleicht ist es so, dass man heute durch schlichte Bildleisten und puristische Fertigrahmen durchaus auch den Mut verloren hat, dem Bild einen gestalteten oder gestaltenden Rahmen zu geben. So strich Ernst Ludwig Kirchner eigenhändig alle seine Bildrahmen mit Bronze – „wir wissen, welche Künstler welche rahmen verwendeten, haben dazu ein großes Archiv“, erzählt Murrer. In seiner Broschüre zum Thema wird der spanische Philosoph und Schriftsteller José Ortega y Gasset zitiert, der einmal sagte, dass „Bilder eingehegt in ihren Rahmen leben. Diese Verbindung von Rahmen und Bild ist nicht zufällig. Eines bedarf des anderen. Ein Bild ohne Rahmen sieht aus wie ein geplünderter, nackte Mensch“. Ganz so streng sieht das Rahmenprofi Murrer heute nicht mehr: Er berät Künstler an der Münchner Akademie und immer wieder kommen Sammler und Künstler mit Werken zu ihm, um nach dem „idealen Rahmen“ zu fragen. Gar nicht so selten ziehen die nach einem ausführlichen Gespräch mit der Erkenntnis ab, dass gar kein Rahmen passen würde.
Doch wozu rät er, was sollte man bei der Planung beachten? Ein wesentlicher Unterschied besteht vor allem im Material: Papierarbeiten benötigen unbedingt einen Glasschutz, wenn sie nicht aus konzeptuellen Gründen direkt auf der Wand angebracht werden. Hierbei sind ein säurefreies Museumspassepartout, das das Bild ganz zeigt, Distanzleisten und passende Nassklebebänder („noch besser ist ein selbst gekochter Weizenstärkekleister“) zu achten.
„Heutzutage“, betont Murrer, „wirkt es bei einem überlappenden Passepartout so, als ob ein Schaden zu verstecken ist“. Wesentlicher aber ist ein konservatorischer Hintergrund: Wo das Passepartout alles gleichmäßig frei lässt, entstehen keine Ränder auf dem Bild. Ölbilder hingegen verlangen aus eher pragmatischen Gründen nach einem Rahmen: Die sind dann besser stapelbar, transportabel und verziehen sich weniger mit einer gewissen Randfixierung. Ein L-Profil, also hinten am Bild befestigte Randleisten mit Abstand, sind hier seine Empfehlung.
Er kann sich aber auch für unkonventionelle Lösungen begeistern. So schwärmt er von der Anbringung von Zoe Leonards Arbeiten in der Pinakothek der Moderne, „die waren hinter Glasscheiben jeweils mit vier Nägeln an der Wand angebracht“. Wenn auch vom Konservatorischen her fragwürdig, verursachte dies natürlich relativ niedrige Kosten „und sah einfach wunderbar passend aus“. Auch für Siegmund Lorenz, der im Herrenhaus Libnow bei Anklam seine Rahmenmanufaktur betreibt, steht der individuelle Bedarf an erster Stelle. Natürlich würde er gern immer hochpreisige Materialien zur Anwendung bringen, doch das Material sollte in erster Linie dem Objekt entsprechen, das "Bindeglied sein zwischen Mysterium Kunstwerk und der Jetztweit", wie er es nennt.
Daher können je nachdem einfache Holzleisten zu 5 Euro den Meter mitunter besser angebracht sein als Vergolderleisten, die zwischen 300 und 400 Euro den Meter kosten können: "Einen guten Rahmen macht nicht nur der Preis aus."
Die Zuliefererindustrie schläft nicht, immer wieder wird Neues entwikkelt. Eine gute Bühne stellt die art fair europe dar, die im Oktober 2010 in Nürnberg stattfand. Hier zeigten knapp 100 Aussteller, was es Neues aus den Bereichen Rahmen, Leisten, Kunstdruck, Grafik, Passepartout, Bilderglas sowie Maschinen für die Einrahmung gibt.
In diesem Jahr findet die Messe vom 8. bis zum 10. Oktober statt. Vielleicht sollten Künstler wieder mehr Mut entwickeln, sich von historischen Vorbildern inspirieren lassen, wenn es um die richtige Umrandung ihrer Arbeiten geht, denn die Rahmen helfen, den gewünschten Fokus herzustellen, eine beabsichtigte Stimmung zu unterstreichen. In einem Selbstversuch kann man seine Arbeiten ja einmal mit unterschiedlichen Einfassungen versehen und die Wirkung prüfen. Künstler müssen dabei natürlich nicht gleich eine Fortbildung zum Geprüften Bildeinrahmer machen, wie ihn die Bildungsakademie Handwerkskammer Region Stuttgart ab Ende 2011 erneut anbietet. Werner Murrer ist hier der Vorsitzende des Prüfungsausschusses.
Die erfolgreich bestandene Prüfung berechtigt die Teilnehmer, den Titel „Geprüfte/-r Bildeinrahmer/-in“ zu tragen, der durch das Deutsche Patentamt geschützt ist. Zu den vermittelten Inhalten und Techniken gehören u.a.: Passepartout und Glas schneiden, Rahmenbau und Einrahmung, Werkstoffbearbeitung, Ausstellungs- und Kaschiertechnik, Umgang mit Ölgemälden, Papierrestaurierung, Vergoldung, Drucktechniken, Kunstgeschichte, Verkaufstechniken und Betriebswirtschaft, Recht und Umweltschutz. Katharina Knieß |
atelier 2/11
|