Transparentes Museum – Die Hamburger Kunsthalle gewährt Einblicke hinter die Kulissen

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Liebermanns Gemälde „Die Birkenallee im Wannseegarten nach Westen“ mit originalem, vom Künstler patiniertem Rahmen.

Mit der Wiedereröffnung der Hamburger Kunsthalle wurde diese um einen weiteren spannenden Bereich erweitert. Im transparenten Museum haben die Besucher nun die Möglichkeit Einblicke hinter die Kulissen eines Museums – und hinter die Rahmen- zu erhalten. Denn neben Sammeln, Forschen, Bewahren und Vermitteln gehört auch die Beschäftigung mit den Bilderrahmen zu den Aufgaben eines Museums. Während die Vorderseite des Rahmens wichtig für die ästhetische Wirkung des Bildes ist und es in seinem zeitlichen und räumlichen Entstehungskontext verortet, bietet die Rahmenrückseite wichtige Auskünfte über die Provenienz eines Gemäldes. Stempel, Etiketten und Beschriftungen liefern Hinweise über ehemalige Besitzer und Ausstellungsteilnahmen und tragen so entscheidend zur Erforschung eines Werkes bei.

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Etikette und Beschriftung auf der Rückseite von Liebermanns Gemälde „Die Birkenallee im Wannseegarten nach Westen.“

Einen der Schwerpunkte der Ausstellung bilden die Rahmen Max Liebermanns. Neben originalen Künstlerrahmen werden auch museale Umrahmungen vorgestellt. Und hier darf man nun interaktiv mit entscheiden – zumindest virtuell: In einer eigens angefertigten App dürfen die Besucher verschiedene historische Rahmen aus der Sammlung von WERNER MURRER RAHMEN für Liebermanns Bild „Die Birkenallee im Wannseegarten nach Westen“ auswählen und dabei feststellen wie sehr die unterschiedlichen Rahmen den Charakter und die Ausstrahlung des Bildes unterstützen können.

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In der eigens entwickelten App können die Besucher verschiedene historische Rahmenmodelle selbst farblich gestalten.

Liebermann, der von 1873 bis 1878 in Frankreich tätig war, wurde zwar in seiner Malerei von den französischen Impressionisten inspiriert, für seine Rahmungen waren aber vielmehr die aufwendigen Glanzgoldrahmen der Ausstellungen des Pariser Salons vorbildhaft. Die Rahmen reichen von opulenten Goldrahmen im Stile Louis XV., die den Konventionen der Salonausstellungen entsprechen, bis hin zu eher schlichteren dunklen Hohlkehlrahmen, die an holländische Modelle erinnern. Zwar hat Liebermann nicht selbst (wie etwa sein französischer Malerkollege Degas) Rahmen entworfen, sondern häufig seriell gefertigte Rahmen verwendet, die Auseinandersetzung mit seinen Bilderrahmen war ihm dennoch zeitlebens wichtig. So vollendete er zum Beispiel viele seiner Bilder erst im Rahmen, wie Zitate und Aufnahmen des Künstlers bei der Arbeit belegen.

Dass Liebermann dabei gerne auch auf antike Rahmungen zurückgriff, macht diese Passage aus einem Brief an Wilhelm Bode[1] aus dem Jahr 1896 deutlich: „Das Bild meiner Eltern, zu dem ich den alten Rahmen möchte, ist 115 x 148. Ist’s nicht Vandalismus, soviel wegzuschneiden? Es gingen 25 Centimetres vom Rahmen verloren. Vielleicht ist ein passender vorhanden?“[2]

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Auf einer Fotografie erkennt man schließlich den fertigen Rahmen, den Liebermann für das Porträt seiner Eltern auswählte. (Foto: Jüdisches Museum Berlin) 

Nicht immer nahm Liebermann die Auswahl seiner Rahmen selbst vor. So ist belegt, dass auch der ehemalige Museumsdirektor der Hamburger Kunsthalle Alfred Lichtwark Rahmen für einige Liebermann-Bilder bestellte. Dieser berücksichtigte aber vor allem bei der Farbgebung der Rahmen die Wünsche des Malers, denn „Liebermann mußte ja selber am besten wissen, wie seine Bilder herauszubringen waren.“[3] Die meisten der Rahmen waren polimentvergoldet und wurden anschließend mit einer relativ deckenden Patinierung in harmonischer Abstimmung mit den Bildfarben versehen. Eine besonders schöne weiß-gräuliche Übermalung im Stile der Rahmen vieler französischen Impressionisten weist der originale Rahmen in der Ausstellung im Transparenten Museum auf.[4]

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Detailaufnahme von der originalen Fassung.

 

 

[1] Wilhelm Bode, der seit 1890 Direktor der Gemäldegalerie Berlin war, setzte sich intensiv für die Verwendung von Rahmen aus der Entstehungszeit des Bildes ein.

[2] Max Liebermann: Briefe Bd. II: 1896-1901, hrsg. Von Ernst Braun, Baden-Baden 2012,  S. 59.

[3] Porträt Peter Behrens; Alfred Lichtwark, Briefe an Max Liebermann, hrsg. Von Carl Schellenberg, Hamburg 1947, S. 71.

[4] Ausführliche Informationen zu den Rahmen Liebermanns im Aufsatz „Erst im Rahmen sind Bilder schön!“ von Michael von der Goltz, Babette Hartwieg und Barbara Wiemers, der 1995 im Katalog „Max Liebermann – der deutsche Impressionist“ von der Kunsthalle Bremen erschien.

 

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