RAHMEN OHNE UMSCHWEIFE – GABRIELE MÜNTER – LENBACHHAUS MÜNCHEN

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Die Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau zeigt aktuell eine Ausstellung mit 132 Arbeiten von Gabriele Münter, die größtenteils noch nie öffentlich gezeigt wurden oder deren Ausstellung im öffentlichen Raum schon lange zurückliegt. Über die Hälfte dieser Werke haben hierfür von WERNER MURRER RAHMEN einen neuen Rahmen bekommen. Sie stammen überwiegend aus dem umfangreichen Bestand historischer Rahmen oder wurden dort in den Werkstätten angefertigt.

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Rahmen mit Aufdopplung, Distanzleisten für den Abstand zwischen Bildträger und Verglasung, sichtbare Maserung unter der Rahmenfassung und gerahmtes Bild in der Ausstellung

Die Fotos zeigen einzelne Arbeitsschritte sowie Detailaufnahmen der Rahmen mit Aufdopplungen bzw. Blendrahmen und Distanzleisten. Die meisten der ausgewählten Rahmen für die Arbeiten Münters wurden mit Blendrahmen versehen, die der Fassung des jeweiligen Rahmens angepasst wurden. Die Ergänzung eines Blendrahmens ist notwendig, sollte der Falz des Rahmens in der Höhe zu gering sein, um die Werke einschließlich einer heutzutage für Museen benötigten Verglasung, eines Passepartouts oder Rückseitenschutzes im Rahmen „unterzubringen“. Der Blendrahmen ist nach innen versetzt und oftmals abgeschrägt, um den Rahmen in der Tiefe nicht zu wuchtig erscheinen zu lassen.

Profil und Fassung der Rahmen für Münters Werke sind schlicht. Die Giebel-, Hohlkehl- und Rundstabrahmen sind nicht grundiert. Farben, Gold-und Silberbronzen oder auch Schlagaluminium sind auf die gebeizten Holzleisten aufgetragen, so dass die Maserung des Holzes zum Teil unter der Fassung sichtbar wird. Des Weiteren sind es keine unversehrten, makellosen Rahmen und Fassungen, sondern sie weisen ganz im Gegenteil Beschädigungen, Schrammen und Abriebstellen auf, die alterungs- und zeitbedingt sind. Rahmenkunst bedeutet nicht zwingend, mit Gold und Schmucktechnik aufwändig verzierte Rahmen herzustellen, es kommt vielmehr darauf an, zu den Bildern passende Rahmen auszuwählen und wenn nötig anzufertigen. Was aber heißt „passend“? Welche Kriterien setzt man hierfür an? Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, aber grundsätzlich dürfen Rahmen die Gemälde, Zeichnungen und druckgraphischen Arbeiten nicht überlagern oder verfremden. Rahmen sollten dem Bild, ihrer Entstehungszeit und dem Künstler in gleicher Weise gerecht werden. „Gold passt nicht zu mir“, so lautet die Aussage der finnischen Malerin Helene Schjerfbeck (1862-1946) hinsichtlich der Rahmung ihrer Bilder (alle Angaben zu Helene Schjerfbeck sind entnommen aus: Beuys, Barbara: Helene Schjerfbeck. Die Malerin aus Finnland, Berlin 2016, S. 239-40). Diese Künstlerin wünscht sich generell für ihre Werke schlichte Rahmen und beauftragt aus Gründen der Distanz des Öfteren ihre in Helsinki ansässige Malschwester Maria Wiik, in der Kunst-und Rahmenhandlung von Berndt Kahlroth vorbeizuschauen und zu überprüfen, ob die Rahmen zu ihren Bildern auch passend seien. In einem Brief vom 2. Mai 1906 wendet sich Helene Schjerfbeck erneut an die Freundin, „das Bild brauche einen ganz schmalen Rahmen, schwarz oder baumfarben.“ Dieses zeitgeschichtliche Beispiel verdeutlicht, dass es keines glänzenden Goldrahmens bedarf, um die Wirkung eines Bildes zu steigern oder aufzuwerten.

Auch Gabriele Münter ist eine Künstlerin der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Ausdruck in Malerei, Zeichnung und Druckgraphik vieler Künstler ist bereits im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert im Umbruch. Die Künstler sind auf der Suche nach Vereinfachung und Klarheit in Form und Farbe. Es sind sogar diese beiden Aspekte, Farbe und Form, die in dieser Zeit vorherrschend sind, gegenständliche Bezüge werden in den Bildern in den Hintergrund gestellt und die Abstraktion gewinnt an Bedeutung. Ändert sich die Formensprache in der Kunst, hat dies auch Auswirkung auf die Rahmung und Präsentation der Werke. Ein aufwändiger Schmuckrahmen steht im Widerspruch zu der von den Künstlern erstrebten Reduktion der Formen.

Ein „passender“ Rahmen bildet mit dem Werk eine Einheit. Formen, Farben und Pinselduktus im Bild können im Groben in Fassung und Profil der Rahmen entweder aufgegriffen werden oder dazu gezielt in Kontrast stehen. Das Spektrum hierfür ist groß – flächig, feingliedrig, konvex, konkav, glänzend, leuchtend, matt, spröde, porös, nur um einige Möglichkeiten zu nennen. Der historische Kontext und die damit verbundenen Arbeitstechniken und Materialien sind stets im Blick zu behalten. Die Gebrauchs- und Alterungsspuren, wie abgeriebene Ecken und Kanten, vervollständigen den stimmigen Gesamteindruck des Kunstwerks.

Marianne Saal, Kunsthistorikerin M.A.

Kunstbau der Städtischen Galerie im Lenbachhaus
Gabriele Münter. Malen ohne Umschweife. 31.Oktober 2017 bis 8. April 2018