FAUST IN RAHMEN DER ZEITEN – KUNSTHALLE MÜNCHEN

Schaufenster Beck (1 von 2)   Grützner Ovalrahmen (1 von 1)

Das Faust-Festival München, unter der Initiative der Kunsthalle München und dem Gasteig, zieht die ganze Stadt vom 23. Februar bis 29. Juli 2018 mit über 500 verschiedenen Veranstaltungen rund um das Thema Faust in seinen Bann. Dass dabei auch Rahmen eine wichtige Rolle spielen, zeigen zwei Projekte, an denen WERNER MURRER RAHMEN im Zuge des Faust-Festivals beteiligt ist.

Kunstwerk – Rahmen – Betrachtung, drei Aspekte, die die Ausstellung der Hypo-Kulturstiftung in der Kunsthalle München „DU BIST FAUST – Goethes Drama in der Kunst“ und das Schaufensterprojekt von LUDWIG BECK – KAUFHAUS DER SINNE in besonderer Weise beleuchten.

Dass die Figur „Faust“ und die weiteren Charaktere aus Goethes Drama mitsamt ihren Sehnsüchten und Schwächen auch in heutiger Zeit an Aktualität nichts verloren haben, wird in der Kunsthalle München mit unterschiedlichen Kunstwerken und Filmen zur Schau gestellt. Darunter ist auch das Ölgemälde Mephisto des deutschen Malers Eduard von Grützner (1846-1925) aus dem Jahr 1872. Für die Leihgabe aus dem Münchner Stadtmuseum wurde in den Werkstätten von WERNER MURRER RAHMEN ein neuer Rahmen angefertigt. In den ovalen, kreidegrundierten Karniesrahmen werden in den äußeren Viertelrundstab Pfeifen gezogen. Nach entsprechender Vorbehandlung des Untergrunds erfolgt das Belegen mit Schlagmetall sowie die Patinierung. Historisch gesehen war eine Oberfläche aus Schlagmetall in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts anstelle einer Vergoldung mit Blattgold durchaus üblich.

Grützner Ovalrahmen (1 von 4) Grützner Ovalrahmen (2 von 4) Grützner Ovalrahmen(3 von 4)

Mit einem Gravierhaken werden die Pfeifen gezogen, der Rahmen wird mit Schlagmetall belegt, Rahmenausschnitt mit patinierter Oberfläche

Die Auswahl der wertvollen Rahmen vom 16. bis ins frühe 20. Jahrhundert für die Schaufensterdekoration bei LUDWIG BECK kommt aus der umfangreichen Sammlung historischer Rahmen von WERNER MURRER RAHMEN.

Hervorzuheben ist dabei ein sog. „Effner“-Rahmen. Er ist einem Entwurf von Joseph Effner (1687-1745) zuzuordnen, der von 1715 bis 1726 als Münchner Hofbaumeister tätig war. Aufgrund Effners Architekturausbildung in Paris halten französische Bauelemente und Ornamentformen in München Einzug, wie es sich auch auf dem Rahmen zeigt. Die Ornamentik mit Spiegeln, Blattwerk, Blüten und Bandelementen, auch unter dem Begriff Bandelwerk bekannt, sowie die gravierten Blattornamente, Pfeifen und Schraffuren sind für Effner typisch. Der Rahmen ist einer der letzten, die noch im Originalzustand vorhanden sind. Wie für die Barockzeit üblich, ist die Ornamentierung geschnitzt, bei der Fassung handelt es sich um eine Versilberung auf gelbem Poliment.

Schaufenster Beck (5 von 7)      „Effner“-Rahmen, versilbert                               

Das Schaufensterprojekt ist in Verbindung mit der Ausstellung in der Kunsthalle zu sehen, die mit dem Titel „DU BIST FAUST – Goethes Drama in der Kunst“ den Ausstellungsbesucher in direkten Bezug zu Goethes Charakteren setzt. Umgesetzt wird diese Idee nach dem Konzept des Künstlers und Bühnenbildners Philipp Fürhofer durch die Installation von Spiegeln, in denen sich sowohl die Besucher als auch die gezeigten Kunstwerke gegenseitig reflektieren. Auf diese Weise halten Goethes Figuren dem Besucher einen Spiegel vor und konfrontieren ihn mit Themen wie Manipulation, Verführbarkeit und Egoismus, die für unsere Gesellschaft auch heutzutage eine Rolle spielen.

Für die Schaufensterdekoration variiert Fürhofer sein Konzept der Spiegelungen, indem sich die Rahmen, die Schaufensterpuppen und die Passanten durch eine Spiegelwand an der Rückseite des Schaufensters und einer semitransparenten Spiegelfolie an der Schaufensterscheibe endlos vervielfältigen.

Die historischen Rahmen greifen den Aspekt der zeitlichen Relevanz der Themen aus Goethes Drama durch alle Epochen hindurch auf und machen den Betrachter als reflektierte Person im Spiegel zum Akteur und zum Kunstwerk in gleicher Weise.

Marianne Saal, Kunsthistorikerin M.A.

Schaufenster Beck (2 von 2)   Schaufenster Beck (2 von 7)

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