NEUE RAHMEN FÜR MUNCH – MUNCH MUSEUM OSLO

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Das Munch Museum Oslo stellt in seiner aktuellen Ausstellung MASTERPIECES ON THE MOVE – MUNCH IN NEW FRAMES noch bis zum 6. Mai das Rahmenprojekt zu Edvard Munchs Werken vor. Das Munch Museum Oslo wird im Juni 2020 in einen Neubau am Hafen direkt neben der berühmten Oper umziehen. Zu diesem Anlass werden die Werke Edvard Munchs neu gerahmt. Werner Murrer ist für seine Leidenschaft zu historischen Rahmen bekannt. Durch die intensive Auseinandersetzung auch mit den originalen Rahmen Munchs, konnte die Münchner Rahmenwerkstatt WERNER MURRER RAHMEN die Ausschreibung unter fünf internationalen Teilnehmern für sich entscheiden. Ausgestattet mit einem nicht sichtbaren Innenrahmen in Magnettechnik der rheinland-pfälzischen Firma HALBE-Rahmen in Kirchen, erfüllen die Rahmen neue konservatorische Standards. Alle verwendeten Materialien wurden langzeitgetestet, so dass eine sowohl physisch als auch chemisch sichere Rahmung der Werke Munchs gewährleistet ist. Zum ersten Mal konnte dadurch Munchs Gemälde „Pubertät“ in die USA verliehen und im SFMOMA – San Francisco Museum of Modern Art ausgestellt werden.

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Munch in neuen Rahmen:
„Die Pubertät“ im weißen Halbrundstab, „Das Leben“ und „Roter wilder Wein“ im braunen Halbrundstab sowie „Der Kuss“ im Halbrundstabprofil in Silberbronze

Das Werk des norwegischen Künstlers war zu Beginn seines Auftretens in der Öffentlichkeit sehr umstritten. Seine erste Ausstellung in Deutschland 1892 im „Verein Berliner Künstler“ wurde als skandalös betrachtet und bereits nach fünf Besichtigungstagen wieder geschlossen. Seiner Künstlerkarriere schadete dieser Umstand jedoch nicht, im Gegenteil. Munch war in aller Munde, als Künstler gefragt und auch in der Folge durch eine rege Ausstellungstätigkeit präsent. Die kritische Haltung des Publikums betraf aber nicht nur Munchs künstlerisches Werk, sondern auch die Rahmen zu seinen Bildern. Als Künstler an der Schwelle zum 20. Jahrhundert hatte sich Munch, in der Nachfolge von Edgar Degas und Vincent van Gogh, vom traditionellen Goldrahmen entfernt. Er bevorzugte Rundstableisten und einfache flache Rahmen mit schlichter, weißer oder braun gebeizter Fassung. „Ein gutes Bild hält viel aus. Nur schlechte Bilder müssen ganz sein und vornehme schwere Rahmen haben. Ich gebe Ihnen nur eine schmale Kante, am liebsten eine, die rund und weiß ist“[1], so lautet Munchs persönliche Einstellung zu Bild und Rahmen.

Das Halbrundstabprofil ist auf historischen Fotos in verschiedenen Varianten und über einen Zeitraum von mehreren Jahren zu finden. Ein Originalfoto von 1906 der Galerie Commeter in Hamburg zeigt die oben erwähnte „Pubertät“ (1894/95) im weißen Halbrundstab. Auf einer Aufnahme von Munch in seinem Freiluftatelier in Ekely um 1929 ist der Künstler vor der Atelierwand mit zwei stehenden weiblichen Aktdarstellungen von 1922-23 bzw. 1922-25 im braunen Halbrundstab sowie dem Gemälde „Melancholie (Der Reinhardt-Fries)“ von 1906-07 im hellen Halbrundstab zu sehen.

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Originalfoto der „Pubertät“ bei Commeter 1906, Munch in seinem Freiluftatelier in Ekely um 1929 

Als Glücksfund erwiesen sich originale Rahmen, die sich in Munchs Sommerhaus und Atelier des Künstlers in Åsgårdstrand erhalten haben. Während der kunsthistorischen Recherche wurden die Rahmen zunächst auf Touristenfotos entdeckt, vor Ort konnte sich Werner Murrer dann persönlich von ihrer Authentizität überzeugen. Es waren Rahmen aus flachen und kannelierten Leisten sowie Halbrundstabprofile mit weißer Fassung.

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Originalrahmen in Åsgårdstrand

Munchs neue Rahmen basieren auf den Erkenntnissen dieser Recherchearbeiten. So wird „Die Pubertät“ neu gerahmt erstmals wieder im weißen Halbrundstab zu sehen sein. Das Halbrundstabprofil in brauner Fassung sowie in Silberbronze wurde für das Gemälde „Roter Wilder Wein“ (1898/1900) bzw. den „Kuss“ (1897) gewählt.

Als Vorlage für Rekonstruktionen dienten zudem Rahmenprofile, wie sie zu Lebzeiten Munchs in Galerien und Ausstellungen zu sehen waren. Das Gemälde „Sommernacht. Inger am Strand“ (1889) war in der Vierten Sonderbundausstellung 1912 in Köln ausgestellt. Das Bild befindet sich heute im Kunstmuseum Bergen im noch originalen Rahmen, wie es 1912 in Köln präsentiert war. Es war eines von ca. 25 Werken, mit denen Munch auf der Sonderbundausstellung vertreten war. Das Rahmenprofil besteht aus einer doppelten Wulst in patinierter Schlagmetall-Fassung. Auf dem Gemälde ist Munchs jüngste Schwester Inger am Ufer des Oslofjords in Åsgårdstrand dargestellt. Neobarocke Profilrahmen mit patinierter Schlagmetalloberfläche wurden für Gemälde Munchs ebenfalls verwendet. Das Bild „Unter roten Äpfeln“ (1913-15) zeigt neu gerahmt dieses Profil.

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„Sommernacht. Inger am Strand“ im Originalrahmen 1912 und heute im Kunstmuseum Bergen

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Gemälde im Neobarockrahmen ausgestellt in der Galerie Blomqvist in Oslo 1915, „Sitzender Akt auf der Bettkante“ (1916) im originalen Neobarockrahmen (heute im Moderna Museet Stockholm) und „Unter roten Äpfeln“ im neuen neobarocken Nachbau

Edvard_Munch_Ekely_1913 Munchs Vorstellung von optimalen Rahmen betrifft neben der Art des Profils auch ihren Zustand. Er setzte seine Werke Sommer wie Winter bewusst der Witterung aus, um natürliche Alterungsspuren herbeizuführen. Galeristen und Händler hatten ihre liebe Not damit. Wilhelm Suhr, der Geschäftsführer der Kunsthandlung Commeter schreibt in einem Brief vom 21. Februar 1906 an Edvard Munch: „Selbstverständlich sollen Sie auch fernerhin das Recht behalten, die Art des Rahmens für Ihre Bilder zu bestimmen. Damit ist aber noch lange nicht gesagt, daß die Bilder mit Rahmen in dem jetzigen Zustand ausgestellt werden. (…) Die Leisten, welche Rahmen bedeuten sollen, sind – abgesehen von dem Schmutze, der darauf sitzt, total vernagelt.“[2]  Edvard Munch selbst war der Meinung, dass eine natürliche Verwitterung den Bildern nicht schadet, sondern sogar guttut: „Es ist gerade, als brauchten meine Bilder ein bisschen Sonne und Schmutz und Regen. Dann stimmen oft die Farben besser zusammen. Es liegt ein harter Zug über meinen Bildern, wenn sie frisch sind. Deshalb fürchte ich es so sehr, wenn jemand meine Bilder wäscht oder mit Öl behandelt. Ein bisschen Schmutz und ein paar Löcher kleiden sie nur.“[3]

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Munch im Freiluftatelier in Ekely 1913 und 1927

 

 

Schon vor der Eröffnung des neuen Munch Museums werden die Bilder des norwegischen Künstlers in den neuen Rahmen international präsentiert. In Japan wird der erste Besuch von Munchs „Schrei“ schon sehnlichst erwartet. Im Herbst dieses Jahres ist das weltberühmte Kunstwerk dann im neuen Rahmen von WERNER MURRER RAHMEN im Metropolitan Art Museum Tokyo zu sehen.

Marianne Saal, Kunsthistorikerin M.A.

Das SWR Fernsehen Rheinland-Pfalz berichtet in der halbstündigen Sendung „Made in Südwest – Neue Rahmen für Edvard Munch“ über das Rahmenprojekt, im Besonderen über die Neurahmung von Munchs weltberühmten „Schrei“. Die Ausstrahlung erfolgt am 9. Mai um 18.15 Uhr

 

[1] Stenersen, Rolf: Edvard Munch, Stockholm-Zürich 1950, S.87.

[2] MM K 3836, Munchmuseet, 21.2.(19)06.

[3]ThurmannMoe, Jan: «Rosskur» und Firnis bei Edvard Munch. Das 19. Jahrhundert und die Restaurierung. Beiträge zur Malerei, Maltechnik und Konservierung, Essen 1987, S. 120.

Alle Originalfotografien © Munchmuseet

 

MUNCH IN NEW FRAMES

In its current exhibition MASTERPIECES ON THE MOVE – MUNCH IN NEW FRAMES, the Munch Museum in Oslo, Norway, is presenting the reframing project for the works of Edvard Munch until May 6th, 2018. In June 2020, the Munch Museum in Oslo will move into its newly constructed building directly on Oslo Harbour next to the famous Oslo Opera House. In preparation for the opening, Munch’s artwork is getting new frames. Werner Murrer is well known for his passion for historical frames. It was Murrer’s extensive and detailed experience with the original historical framing of the Munch works that allowed the firm to win the contract over four other international bidders. The frames achieve new conservatorial standards through the use of a hidden interior frame utilising magnet technology designed by the Rhineland-Palatinate company HALBE-Rahmen based in Kirchen, Germany. All the materials used were put through rigorous long-term testing to ensure that the chemical and physical properties of the frames will keep the works of Munch safe. For instance, Munch’s painting entitled “Puberty” was loaned to the San Francisco Museum of Modern Art (SFMOMA), marking the first time the painting could be shown in the United States.

The work of the Norwegian artist was controversial from its emergence in the public sphere. His first exhibition in Germany in 1892 in the Berlin Artists’ Club (Verein Berliner Künstler) was considered scandalous and only remained open to visitors for five days. This situation did not, however, damage his artistic career, quite the contrary. In fact the art community was all abuzz about Munch, who was in high demand and, as a result, appeared in a series of other exhibitions. The public’s critical reception was not only directed at Munch’s artistic work, but at the frames he chose for his pictures. As an artist on the threshold of the 20th century, Munch, following the lead of Edgar Degas and Vincent van Gogh, had distanced himself from traditional gilded frames. Munch preferred half-round moulding and simple flat frames with a plain white or brown stained finish. “A good picture can withstand a lot. Only poor pictures must remain whole and be placed in formal heavy frames. I give them just a narrow edge, preferably one that is round and white,” [1] such was Munch’s personal view on pictures and framing.

Several different types of the half-round moulding can be found in historical photographs spanning a period of several years. An original photo from 1906 of the Commeter Gallery in Hamburg shows the aforementioned painting „Puberty“ (1894/95) in white half round. In one image taken in his open-air studio in Ekely in 1929, the artist can be seen in front of a studio wall with two of his standing nudes from 1922-23 and 1922-25 in brown half round as well as the painting „Melancholy“ (The Rheinhardt Frieze) from 1906-07 in light-coloured half-round. Then there was the fortuitous discovery of original frames that had been preserved in Munch’s summer house and studio in Åsgårdstrand. These lesser-known frames were first discovered in tourists’ photographs found during the historical research of the artwork. Werner Murrer then travelled to Norway to see the frames in person and verify their authenticity. These were frames of flat and fluted moulding as well as half-round profiles with a white finish. Munch’s new frames are based on the insights gained through this research. „Puberty“, for instance, can once again be seen reframed in white half round. The half-round moulding in a brown finish was chosen for the painting „Red Virginia Creeper“ (1898/1900) and the same frame in silver-bronze for „The Kiss“ (1897).

Other reconstructions were based on framing profiles that were commonly found in galleries and exhibitions during Munch’s lifetime. The painting „Summer night. Inger on the beach“ (1889) was shown in Cologne in 1912 at the fourth exhibition of the Sonderbund. The picture hangs in the Art Museums of Bergen in the original frame used for the 1912 Cologne exhibition. This was one of approximately 25 pictures representing Munch’s artwork at the Sonderbund exhibition. The moulding consists of double bead in schlagmetal finish. The painting portrays Munch’s youngest sister Inger sitting on the shore of Oslo Fjord in Åsgårdstrand. Neo-baroque profile frames with patinated schlagmetal surfaces were also used on some of Munch’s paintings. The new frame for „Beneath the Red Apples“ (1913-1915) has a neo-baroque profile.

Munch’s idea of the perfect frame has not only to do with the type of profile, but also with its condition. He intentionally exposed his works to the weather both in summer and winter to give them natural signs of ageing. Gallerists and dealers found this a hard pill to swallow. Wilhelm Suhr, the director of Commeter Art Dealers writes to Edvard Munch in a letter dated 21 February 1906, „Of course, you will retain the right to determine yourself which sort of frames shall be used for your pictures. That is not, however to say that the pictures are to be exhibited in frames of such condition. (…) These strips, meaning the frames, are – aside from the grime in which they are covered – full of nails.“ [2] Edvard Munch himself was of the opinion that natural weathering not only didn’t harm the pictures, but indeed was good for them: „It is as if my pictures needed a bit of sun and dirt and rain. Then the colours go better together. There is a stark cast to my pictures when they are fresh. That is why I am so afraid when someone washes my pictures or treats them with oil. A bit of dirt and few holes just dresses them up.“[3]

Prior to the opening of the new Munch Museum, the Norwegian artist’s pictures are being presented in their new frames in a number of exhibits around the world. Japan is eagerly awaiting its first visit from Munch’s “The Scream.” This world-renowned painting will be presented in the autumn of this year at the Metropolitan Art Museum Tokyo in new frames by WERNER MURRER RAHMEN.

The German television channel SWR Fernsehen Rheinland-Pfalz will report on the framing project in a programme entitled “Made in Südwest – Neue Rahmen für Edvard Munch” with a particular focus on the new framing of Munch’s world-famous “The Scream”. The episode will air on May 9th at 6:15 p.m. CET.

 

[1] Stenersen, Rolf: Edvard Munch, Stockholm-Zürich 1950, p.87.

[2] MM K 3836, Munchmuseet, 21.2.(19)06.

[3]ThurmannMoe, Jan: «Rosskur» und Firnis bei Edvard Munch. Das 19. Jahrhundert und die Restaurierung. Beiträge zur Malerei, Maltechnik und Konservierung, Essen 1987, p. 120.