Neue Rahmen für Luigi Russolos „Revolution“ und Claude Monets „Blauregen“ im Kunstmuseum Den Haag

Das Gemälde „Revolution“ (ca. 1911) des futuristischen Malers Luigi Russolo und der „Blauregen“ (1917-1920) des Impressionisten Claude Monet, beides Werke aus der Sammlung des Kunstmuseums Den Haag, sind in neuen Rahmen zu besichtigen.

Neurahmung von Luigi Russolos „Revolution“
Luigi Russolos farbintensives Gemälde „Revolution“ (ca. 1911), das hauptsächlich in den Primärfarben Rot, Blau und Gelb gestaltet ist, präsentiert sich im Kunstmuseum Den Haag nun in einem holzsichtigen Rundstabrahmen. Die Oberfläche ist in hellbraunem Beizton leicht glänzend gestaltet.

Russolo - Den Haag

Die Recherche zur Neurahmung dieses Werks führte zunächst zur Ausstellung „Les Peintres Futuristes Italiens“ in der Pariser Galerie MM. Bernheim-Jeune & Cie. Von 5. bis 24. Februar 1912 fand dort die erste Ausstellung der italienischen Futuristen Gino Severini, Luigi Russolo, Umberto Boccioni und Carlo Carrà im europäischen Ausland statt. (1) Russolos „Revolution“ war eines von insgesamt 35 Exponaten. Die Ausstellung machte im Anschluss Station in der Londoner The Sackville Gallery, LTD. und von 12. April bis 31. Mai desselben Jahres in der Galerie Sturm von Herwarth Walden in Berlin. (2) Auf Waldens Initiative hin konnten 24 Werke (3) der Futuristen-Ausstellung auf einer Wanderausstellung in verschiedenen deutschen und europäischen Städten gezeigt werden. (4)
Historische Aufnahmen aus der Ausstellung bei Bernheim-Jeune & Cie zeigen Werke Russolos, Severinis und Boccionis – die Gemälde waren in holzsichtigen Halbrundstabprofilen gerahmt.

Das Halbrundstabprofil war für die futuristischen Maler eine nicht seltene Rahmenform. Zuweilen wurde der Rahmen auch in die Malerei mit einbezogen, beziehungsweise das Bildmotiv auf dem Rahmen fortgesetzt, wie beispielsweise bei Giacomo Ballas „Abstract Speed + Sound“ (1913-14).

Giacomo Balla - Neue Rahmen für Luigi Russolos "Revolution" und Claude Monets "Blauregen" im Kunstmuseum Den Haag
Giacomo Ballas „Abstract Speed + Sound“ im bemalten Rundstabrahmen, Peggy Guggenheim Collection
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Die Präsentation der Futuristen war für Herwarth Walden die 2. Ausstellung, die in seiner Galerie Sturm stattfand. Die Eröffnungsausstellung nur einige Wochen zuvor, im März 1912, gestaltete Walden u.a. mit Werken Oskar Kokoschkas und des Blauen Reiter. (5) Bezüglich des Blauen Reiter handelte es sich um eine Auswahl von Gemälden, die zuvor auf der ersten Ausstellung der Gruppe in der Modernen Galerie von Heinrich Thannhauser (6) in München von Dezember 1911 bis Januar 1912 zu sehen waren. Die erste Blaue Reiter-Ausstellung wurde im Anschluss an Thannhauser im Gereonsclub in Köln gezeigt, woher Walden sie vermutlich kannte. (7) Hinsichtlich der Art der Rahmung ist festzustellen, dass auch Franz Marc, Gründungsmitglied des Blauen Reiter, für seine Gemälde häufig Rundstabrahmen verwendete. Im Blogbeitrag auf dieser Website Die erste „Blaue Reiter“ Ausstellung bei Thannhauser – Reproduktionen in originalgetreuen Rahmen wurden bereits einige Werke von Franz Marc im Rundstabprofil vorgestellt.

Franz Marc
Franz Marcs „Mandrill“ (1913) im Schloss Schönhausen, Depot für beschlagnahmte „Entartete Kunst“, gerahmt im Halbrundstabprofil © bpk / Zentralarchiv, SMB

Der Katalog zur Futuristen-Ausstellung beinhaltete neben den Exponaten auch eine Kurzbeschreibung der Werke von den Künstlern selbst. Für sein Gemälde verfasste Russolo folgende Zeilen: „Der Zusammenstoß zweier Mächte. Das revolutionäre Element der Enthusiasten und roten Lyriker gegen die Macht der Schlaffheit und des starren Festhaltens an der Tradition. Die Engel sind die schwingenden Wellen der früheren Macht.“ (8)

Neurahmung von Claude Monets „Blauregen (Wisteria)“
Neben Russolos Gemälde wurde auch Claude Monets „Blauregen (Wisteria)“ (1917-1920) anlässlich der Ausstellung „Monet – The Garden Paintings“ im Kunstmuseum Den Haag neu gerahmt.

Das Werk aus dem Sammlungsbestand des Museums ist eines von nur acht bekannten Bildern von Monets Blauregen-Gemälden, die heute noch existieren. (9) Sie sind lange nicht so populär wie Monets Seerosen-Bilder, obwohl das Blauregen-Motiv vom Künstler selbst von Anfang an auch für seine „Grandes Décorations“ vorgesehen war: über einer ellipsenförmigen Installation mit Seerosen-Gemälden war ein Fries mit Blauregen-Bildern geplant, der Übergang sollte fließend sein.
Als die Gemälde schließlich 1927 – bereits nach Monets Tod – dem französischen Staat übergeben wurden und in der Orangerie der Tuilerien in Paris ihren Platz fanden, wurden die Blauregen-Bilder aufgrund mangelnden Platzes nicht in die Installation integriert, sondern lagerten bis auf Weiteres zusammen mit zahlreichen Seerosen-Kompositionen in Monets Atelierräumen in Giverny. (10)
Dass Monet die Seerosen- und Blauregen-Gemälde ursprünglich als eine große Gesamtinstallation gesehen hat, war ein Aspekt, der mitunter bei der Wahl des neuen Rahmens eine Rolle spielte. Neben einer zeitlich passenden Lösung, sollte der Rahmen dezent und schlicht sein, das Rahmenprofil nicht überladen wirken. Barocke Rahmen, die häufig für Monets Gemälde verwendet wurden, waren nicht mehr zeitgemäß und würden im Speziellen für den „Blauregen“ eine zu starke Begrenzung für das Motiv mit seiner ursprünglichen Konzeption darstellen.

Für das Gemälde wurde schließlich eine Kopie eines Rahmens angefertigt, wie er im frühen 20. Jahrhundert im Handel erhältlich war, und zwar ein Rundstabrahmen mit profiliertem Lichtbereich und gekehltem Rücken. Ende des 19. Jahrhunderts war es bereits üblich, dass Profilleisten maschinengrundiert wurden, was meistens eine Fassung in Schlagmetall zur Folge hatte. Das Rahmenprofil um Monets „Blauregen“ mit der Datierung 1917-1920 stammt somit aus der Entstehungszeit des Gemäldes.

Das Gemälde ist bis 02. Februar 2020 noch Teil der Ausstellung „Monet – The Garden Paintings“ im Kunstmuseum Den Haag und anschließend in der ständigen Sammlung des Hauses zu sehen.

Marianne Saal, Kunsthistorikerin M. A.

1 Der Maler Giacomo Balla, der von Anfang an den bildenden Künstlern der futuristischen Bewegung angehörte, war in dieser Präsentation und den sich daraus ergebenden Folgeausstellungen nicht mit Werken vertreten, vgl. Irene Chytraeus-Auerbach, Der „Sturm“ und der italienische Futurismus, in: Der Sturm. Zentrum der Avantgarde, Ausst.-Kat. Von der Heydt-Museum Wuppertal 2012 (2 Bde.), hg. von Andrea von Hülsen-Esch und Gerhard Finckh, Bd. 2, S. 300, Fußnote 9.
2 In Paris und London wurden in den Ausstellungen insgesamt 35 Werke der futuristischen Maler gezeigt, in Waldens Galerie Sturm waren es 33. Boccionis „Razzia“ und Severinis „Reiseeindrücke“ wurden von den Besitzern dieser Werke für die Berliner Ausstellung nicht zur Verfügung gestellt, vgl. ebd. S. 289.
3 Es handelt sich dabei um fünf Werke von Umberto Boccioni, neun von Carlo Carrà, fünf von Luigi Russolo und fünf von Gino Severini. Die 24 Werke wurden als Konvolut von dem Berliner Bankier Dr. Albert Borchardt aus der Ausstellung angekauft. Durch den Verbleib der Werke in Berlin war es Walden möglich, eine Wanderausstellung zu organisieren. Zum Kritikpunkt wurde dabei allerdings die Zahlungsmoral Borchardts gegenüber den Künstlern. Zu Werken und Wanderausstellung, vgl. Emily D. Bilski, Heinrich Thannhauser als Münchner Kunstmäzen und Kulturförderer, in: Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste (Hrsg.): Sammeln. Stiften. Fördern. Jüdische Mäzene in der deutschen Gesellschaft, Bd. 6, Köthen 2008, S. 241-242 sowie Chytraeus-Auerbach, in: Von der Heydt-Museum 2012, Bd. 2. S. 292-293.
4 Bzgl. der verschiedenen Ausstellungsstationen, vgl. ebd. (letztere Literaturangabe).
5 Vgl. Antje Birthälmer, Im Spannungsfeld der Moderne – vom Aufbruch in Wuppertal zur ersten Ausstellung des „Blauen Reiter“, in: Von der Heydt-Museum 2012, Bd. 1, S. 53-55.
6 Die auf 24 Werke reduzierte Wanderausstellung der Futuristen, wie oben erwähnt, wurde im November und Dezember 1912 in der Galerie Thannhauser in München gezeigt.
7 Vgl. Birthälmer, in: Von der Heydt-Museum 2012, Bd. 1, S. 53.
8 Ausst.-Kat., London, The Sackville Gallery, März 1912.
9 Zu Geschichte und Installation von Monets Seerosen- und Blauregen-Kompositionen, vgl. Nina Siegal, Under a Monet Painting, Restorers Find New Water Lilies, 3. Juni 2019, New York Times, https://www.nytimes.com/2019/06/03/arts/monet-wisteria-water-lilies.html [Stand 31.01.2020].
10 Ursprünglich war für Monets „Grandes Décorations“ ein eigenes Museum geplant, was durchaus den Vorstellungen des Künstlers entsprochen hätte. Der französische Staat entschied sich jedoch für eine Installation in der Orangerie der Tuilerien, vgl. Nina Siegal, Under a Monet Painting, Restorers Find New Water Lilies, 3. Juni 2019, New York Times, https://www.nytimes.com/2019/06/03/arts/monet-wisteria-water-lilies.html [Stand 31.01.2020], sowie Schrifttafel-Information im Musée de l’Orangerie zu Monets Seerosen