Ausstellung
04.05.2018

Das Munch Museum Oslo stellt in seiner aktuellen Ausstellung MASTERPIECES ON THE MOVE: Munch in New Frames noch bis zum 6. Mai das Rahmenprojekt zu Edvard Munchs Werken vor. Das Munch Museum Oslo wird im Juni 2020 in einen Neubau am Hafen direkt neben der berühmten Oper umziehen. Zu diesem Anlass werden die Werke Edvard Munchs neu gerahmt. Werner Murrer ist für seine Leidenschaft zu historischen Rahmen bekannt.

 

Masterpieces on the Move: Munch in New Frames

 

Durch die intensive Auseinandersetzung auch mit den originalen Rahmen Munchs, konnte die Münchner Rahmenwerkstatt WERNER MURRER RAHMEN die Ausschreibung unter fünf internationalen Teilnehmern für sich entscheiden. Ausgestattet mit einem nicht sichtbaren Innenrahmen in Magnettechnik der rheinland-pfälzischen Firma HALBE-Rahmen in Kirchen, erfüllen die Rahmen neue konservatorische Standards. Alle verwendeten Materialien wurden langzeitgetestet, so dass eine sowohl physisch als auch chemisch sichere Rahmung der Werke Munchs gewährleistet ist. Durch die Verglasung mit dem entspiegelten und bruchsicheren Acrylglas Optium Museum Acrylic der amerikanischen Firma True Vue sind die Gemälde und Grafiken zu 99% gegen UV-Strahlung geschützt. Zum ersten Mal konnte dadurch Munchs Gemälde Pubertät in die USA verliehen und im SFMOMA – San Francisco Museum of Modern Art ausgestellt werden.

 

Edvard Munch Pubertaet

Pubertät

Edvard Munch Das Leben

Das Leben

 

Edvard Munch Roter wilder Wein

Roter wilder Wein

Edvard Munch Der Kuss

Der Kuss

 

Munch in neuen Rahmen:
Die Pubertät im weißen Halbrundstab, Das Leben und Roter wilder Wein im braunen Halbrundstab sowie Der Kuss im Halbrundstabprofil in Silberbronze

 

Das Werk des norwegischen Künstlers war zu Beginn seines Auftretens in der Öffentlichkeit sehr umstritten. Seine erste Ausstellung in Deutschland 1892 im Verein Berliner Künstler wurde als skandalös betrachtet und bereits nach fünf Besichtigungstagen wieder geschlossen. Seiner Künstlerkarriere schadete dieser Umstand jedoch nicht, im Gegenteil. Munch war in aller Munde, als Künstler gefragt und auch in der Folge durch eine rege Ausstellungstätigkeit präsent. Die kritische Haltung des Publikums betraf aber nicht nur Munchs künstlerisches Werk, sondern auch die Rahmen zu seinen Bildern. Als Künstler an der Schwelle zum 20. Jahrhundert hatte sich Munch, in der Nachfolge von Edgar Degas und Vincent van Gogh, vom traditionellen Goldrahmen entfernt. Er bevorzugte Rundstableisten und einfache flache Rahmen mit schlichter, weißer oder braun gebeizter Fassung. »Ein gutes Bild hält viel aus. Nur schlechte Bilder müssen ganz sein und vornehme schwere Rahmen haben. Ich gebe Ihnen nur eine schmale Kante, am liebsten eine, die rund und weiß ist« [1], so lautet Munchs persönliche Einstellung zu Bild und Rahmen.

 

Das Halbrundstabprofil ist auf historischen Fotos in verschiedenen Varianten und über einen Zeitraum von mehreren Jahren zu finden. Ein Originalfoto von 1906 der Galerie Commeter in Hamburg zeigt die oben erwähnte Pubertät (1894/95) im weißen Halbrundstab. Auf einer Aufnahme von Munch in seinem Freiluftatelier in Ekely um 1929 ist der Künstler vor der Atelierwand mit zwei stehenden weiblichen Aktdarstellungen von 1922-23 bzw. 1922-25 im braunen Halbrundstab sowie dem Gemälde Melancholie (Der Reinhardt-Fries) von 1906-07 im hellen Halbrundstab zu sehen.

 

Edvard Munch Galerie Commeter

Originalfoto der Pubertät bei Commeter 1906

Edvard Munch Ekely 01

Munch in seinem Freiluftatelier in Ekely um 1929

 

Als Glücksfund erwiesen sich originale Rahmen, die sich in Munchs Sommerhaus und Atelier des Künstlers in Åsgårdstrand erhalten haben. Während der kunsthistorischen Recherche wurden die Rahmen zunächst auf Touristenfotos entdeckt, vor Ort konnte sich Werner Murrer dann persönlich von ihrer Authentizität überzeugen. Es waren Rahmen aus flachen und kannelierten Leisten sowie Halbrundstabprofile mit weißer Fassung.

 

Edvard Munch Asgardstrand

Originalrahmen in Åsgårdstrand

Edvard Munch Asgardstrand 02

 

Munchs neue Rahmen basieren auf den Erkenntnissen dieser Recherchearbeiten. So wird die Pubertät neu gerahmt erstmals wieder im weißen Halbrundstab zu sehen sein. Das Halbrundstabprofil in brauner Fassung sowie in Silberbronze wurde für das Gemälde Roter Wilder Wein (1898/1900) bzw. den Kuss (1897) gewählt.

 

Als Vorlage für Rekonstruktionen dienten zudem Rahmenprofile, wie sie zu Lebzeiten Munchs in Galerien und Ausstellungen zu sehen waren. Das Gemälde Sommernacht. Inger am Strand (1889) war in der Vierten Sonderbundausstellung 1912 in Köln ausgestellt. Das Bild befindet sich heute im Kunstmuseum Bergen im noch originalen Rahmen, wie es 1912 in Köln präsentiert war. Es war eines von ca. 25 Werken, mit denen Munch auf der Sonderbundausstellung vertreten war. Das Rahmenprofil besteht aus einer doppelten Wulst in patinierter Schlagmetall-Fassung. Auf dem Gemälde ist Munchs jüngste Schwester Inger am Ufer des Oslofjords in Åsgårdstrand dargestellt. Neobarocke Profilrahmen mit patinierter Schlagmetalloberfläche wurden für Gemälde Munchs ebenfalls verwendet. Das Bild Unter roten Äpfeln (1913-15) zeigt neu gerahmt dieses Profil.

 

 

Edvard Munch Orginalrahmen

Sommernacht. Inger am Strand im Originalrahmen 1912

Edvard Munch Ekely 02Sommernacht. Inger am Strand im Kunstmuseum Bergen auch heute noch im originalen Rahmen

 

 

Edvard Munch Blomqvist
Edvard Munch Moderna Museet Stockholm Blomqvist
Edvard Munch Unter dem roten Apfelbaum

 

Gemälde im Neobarockrahmen ausgestellt in der Galerie Blomqvist in Oslo 1915, Sitzender Akt auf der Bettkante (1916) im originalen Neobarockrahmen (heute im Moderna Museet Stockholm) und Unter roten Äpfeln im neuen neobarocken Nachbau

 

Munchs Vorstellung von optimalen Rahmen betrifft neben der Art des Profils auch ihren Zustand. Er setzte seine Werke Sommer wie Winter bewusst der Witterung aus, um natürliche Alterungsspuren herbeizuführen. Galeristen und Händler hatten ihre liebe Not damit. Wilhelm Suhr, der Geschäftsführer der Kunsthandlung Commeter schreibt in einem Brief vom 21. Februar 1906 an Edvard Munch: »Selbstverständlich sollen Sie auch fernerhin das Recht behalten, die Art des Rahmens für Ihre Bilder zu bestimmen. Damit ist aber noch lange nicht gesagt, daß die Bilder mit Rahmen in dem jetzigen Zustand ausgestellt werden. (…) Die Leisten, welche Rahmen bedeuten sollen, sind – abgesehen von dem Schmutze, der darauf sitzt, total vernagelt.« [2] Edvard Munch selbst war der Meinung, dass eine natürliche Verwitterung den Bildern nicht schadet, sondern sogar guttut: »Es ist gerade, als brauchten meine Bilder ein bisschen Sonne und Schmutz und Regen. Dann stimmen oft die Farben besser zusammen. Es liegt ein harter Zug über meinen Bildern, wenn sie frisch sind. Deshalb fürchte ich es so sehr, wenn jemand meine Bilder wäscht oder mit Öl behandelt. Ein bisschen Schmutz und ein paar Löcher kleiden sie nur.« [3]

 

 

Edvard Munch Ekely 02
Edvard Munch in seinem Freiluftatelier

Munch im Freiluftatelier in Ekely 1913 und 1927

 

 

Schon vor der Eröffnung des neuen Munch Museums werden die Bilder des norwegischen Künstlers in den neuen Rahmen international präsentiert. In Japan wird der erste Besuch von Munchs Schrei schon sehnlichst erwartet. Im Herbst dieses Jahres ist das weltberühmte Kunstwerk dann im neuen Rahmen von WERNER MURRER RAHMEN im Metropolitan Art Museum Tokyo zu sehen.

 

Edvard Munch Tokyo

 

 

Das SWR Fernsehen Rheinland-Pfalz berichtet in der halbstündigen Sendung Made in Südwest – Neue Rahmen für Edvard Munch über das Rahmenprojekt, im Besonderen über die Neurahmung von Munchs weltberühmten Schrei. Die Ausstrahlung erfolgt am 9. Mai um 18.15 Uhr

 

[1] Stenersen, Rolf: Edvard Munch, Stockholm-Zürich 1950, S.87.

[2] MM K 3836, Munchmuseet, 21.2.(19)06.

[3]Thurmann–Moe, Jan: «Rosskur» und Firnis bei Edvard Munch. Das 19. Jahrhundert und die Restaurierung. Beiträge zur Malerei, Maltechnik und Konservierung, Essen 1987, S. 120.

 

Alle Originalfotografien © Munchmuseet